Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
249
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Das Ncucstc aus dem Reiche des Witzes.

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geben. Hiczu hilft die Gewohnheit nicht wenig, welche oft die Augen

so verblendet, daß sie wirkliche Fehler für Schönheiten ansehen,--

Doch wie eigensinnig, wie wunderlich ist das Gemüth eines Frauen-zimmers! Wie oft wenn man sich ihrem Besitze am nächsten geglaubthat, sieht man sich am entferntesten davon! Diesen kleinen Wicdcr-wärtigkcitcn zu begegnen, dahin zielen die letzten Lehren des Dichters.Man setze dem Eigensinne der Geliebten Gefälligkeiten entgegen. Maubekenne, daß man Unrecht habe; dieses ist allezeit das sicherste Mittelmehr als Vergebung zu erlangen. Verliebte, die sich wieder vertragen,lieben sich allezeit zärtlicher, als sie sich vorher geliebt haben;undwenn ja bey der Geliebten Skrupel übrig blieben; sitzen ja nochWolken des Mißtrauens auf ihrer Stirne, und leset ihr in ihrenAugen, daß ihr unruhiges Herz befürchtet nicht geliebt zu werden;fo schwöret ihr, daß eure Seele sie anbete, und wicdcrhohlt diesenSchwur hundertmal; benetzt ihre Hände mit Thränen, erhebet ihreNcitzc, fallet ihr zu Fusse, rufet den Tod an. Wo ist das grausameHerz das hierdurch nicht sollte gerührt werden?" Die Geliebte suchtdie Verzweifelung zu stillen, durch längstgewünfchte Gunstbezeigungen.Hier kömmt cS drauf an, die Zeit sie einzuernten zu beobachten. Oftwird man in den süsscstcn Augenblicken gestört, und alsdcnn muß derLiebhaber sein Spiel zu verstecken wissen.--Der Dichter hat bis-her den Verliebten nur kleine Schreckbildcr gewiesen; jetzt aber zeigter ihnen ein wirkliches. Der geliebte Gegenstand wird krank. Hierhat die Liebe ihre stärkste Probe abzulegen; für die sie aber nur all-zusehr belohnt wird, wann die Kranke wieder hergestellet wird. Folgtsie der Stimme des Frühlings, welche sie auf das Land ladet? Fol-get ihr dahin; da ist cS, wo euch die Liebe den schönsten Triumph

vorbehält; da untersteht man sich alles, da erhält man alles.--

Muse, hier hemme deinen Lauf, und wag cS nicht mit einem allzu-kühnen Blicke in das Hciligthum zu dringen, wo das Opfer erblasset,und die Liebe cS betrachtet. Dieses Geheimniß verlangt die tiefsteVerschwiegenheit. Laß auf deiner Stirne, Muse, die Anmuth undSchamhaftigkcit vcrschwistcrt prangen; fliege in den Himmel zurück;dein Weg ist vollendet. Liebe, du lehrest mich deinen Dienst,und deine Geheimnisse, die du in meinen Liedern niedergelegt hast.Deine unsterblichen Myrten umkränzen meinen Frühling, ich sang deinGesetz der Welt, und hatte noch nicht zwanzig Jahre."