254 Das Neueste ans dem Reiche des Witzes.
eingeführet werden: aber niemand wollte den Anfang machen, ausFurcht, es möchte den Zuschauern gleich bey der ersten Vorstellung ih-rer Stücke ciu ül'ler Bcgrif von denselben gemacht werden.
Bis hichcr die Anekdoten. Wir wollen denselben noch eine kurzeNachricht von dem Ursprünge des Frauzösischcu Theaters beyfügen.
Nichts ist ungewifscr, als der Ursprung der Französischen Schau-spiele und theatralischen Stücke, n»d man taun fast nicht anders, alsmuthmaßlich, davon reden. Man findet keine Spur davon in der er-sten und zweyten Linie der Könige von Frankreich . Man weis mir,das; unter der dritten Linie derselben Constantia aus der Provence ,Roberts Gcmalin, Gaukler und Pantomimen nach Paris kommen ließ.Hier muß man also die Epoche der ersten Parisischcn Comödiantcnbestimmen, und doch kau man noch nichts zuverlässiges davon sagen.Man bekömmt hierinnen eher kein klareres Licht, als unter der Regie-rung Carls V. oder zu Anfang der Regierung Carls VI.
Frankreich hat den Ursprung seiner dramatischen Gedichte der An-dacht der Herren Paters zu danken. Der größte Nutzen, welchen sievielleicht in der Welt gestiftet haben. Wenn man den meisten Schrift-stellern, welche hiervon Nachricht gegeben haben, glauben soll, so er-wählten sie dazu die Geheimnisse ihrer Religion, die Inngfran Mariannd die Heiligen, nnd machten daraus den Gegenstand des Vergnn-gcns und der Erbauung des Volks.
Man weis, daß unterschiedene Bürger in Paris , aus einer Artvon Andacht, unter einander eine Gesellschaft zu Erbauung eines Thea-ters errichteten, um auf demselben Stücke von andächtigem Inhalteund besonders das Geheimniß dcS Leidens Christi, vorzustellen. Siewählten hierzu die Vorstadt St. Maur diesseits ViuccuncS. daselbsterrichteten sie ein Theater und stellten auf demselben das Leiden Christivor. Sie mußten anfangs einige Widersprüche von dem Prcvot derKaufleute erdulden: als sie aber vor dem Könige einige Stück, welcheihm gefielen, vorgestellet hatten, so ertheilte er ihnen im Jahr 1402in einem Patent die Freyheit, sich ordentlich zu setzen. Tiefe Bürger,welcbe sich Brüder des Leidens Christi nennte», errichteten ihr Theaterauf dem Saal des Hospitals der Dreyeinigkeit, in der Straße St.Dcnis, worauf sie verschiedene Geheimnisse des alten und neuen Te-staments und einige aus dem Leben der Heiligen vorstellten.
Dieses erste Theater behielt fast Jahr eben dieselbe Einrich-