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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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I. Statistik.

keit jener mathematisch klingenden Redensart vom geometrischenWachstum der Bevölkerung, während doch der tiefere Sinn des be-rühmten WerkesPrinciples of population der ist, den grausamen Vor-gang des Kampfes ums Dasein in der menschlichen Gesellschaft zuoffenbaren. Der einfache, gründliche, unermüdliche Süßmilch, der beiseinem Sammeln von Zahlenangaben und Berechnen von Tabellen nie ver-gaß, daß die menschliche Gesellschaft aus Bürgern und Bauern besteht,deren Wohlfahrt sich im Schließen der Ehen, in der Fruchtbarkeit undin der Sterblichkeit aufs natürlichste widerspiegelt, und der beredte,tieferblickende, oberflächlich arbeitende Malthus , der das Materialseines deutschen Vorgängers mit neuem Geist belebte: diese beiden be-deutendsten Schriftsteller sind bei Quetelet am wenigsten erfaßt; erliefert fast nur neues Material für die hergebrachte Messung einzelnerErscheinungen.

Der auffallendste Mangel an Quetelets Beiträgen zur Bevölkerungs-statistik ist, daß ihm eine klare Vorstellung dessen, was eine Bevölkerungeigentlich sei, völlig abgeht. Anders stand es bei Süßmilch, der dastreffende Gleichnis eines Heeres einführte, worin er zugleich seinen Berufals Feldprediger verrät:der weiseste Schöpfer und Regierer der Weltlässet das zahlreiche Heer des menschlichen Geschlechts durch dieZeugungen aus seinem Nichts hervorgehen, so viel er derselben zumLeben geordnet hat. Der Ewige lässet uns in der Zeit ,gleichsa,m vorseinem Angesicht Vorbeigehen ... Der Auftritt, der Vorübergang vor denAugen des Herrn der Heerscharen und der Abgang, alles geschieht miteiner bewundernswürdigen Ordnung... Was hat unser Meteorologedem entgegenzusetzen? Und doch hätte auch er aus dem Bereich seinesBerufes ohne Schwierigkeit erläuternde Bilder finden können. Schon dieÄhnlichkeit der Disziplinen liegt vor, daß der Meteorologe die tausender-lei Tatsachen auf zeichnet, die sich auf Veränderungen der Atmosphäre be-ziehen, wie der Statistiker die Tatsachen sammelt, welche von den Ände-rungen der über die Erde ausgebreiteten Bevölkerung reden. Betrachtetman aber die Gesellschaft oder, da es hier nur auf das Äußere der-selben ankommt, die Bevölkerung genauer, so ist sie nicht ein ab-geschlossenes Ding wie ein Weltkörper, noch ein Bund solcher Wesenwie das Planetensystem, sondern sie ist die dauernde Erscheinung, welchedurch das Kommen und Gehen der Mitglieder einer Gattung hervor-gerufen wird. Die Meteorologie kennt dergleichen Erscheinungen eben-falls. Wenn feuchte Luftströmungen über den kalten Gipfel eines Berges