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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Quetelet als Theoretiker.

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entwickelt und die bildlichen Wendungen des Malthus mißverstanden. 2. Moral-statistik: das Verbrechen als gesellschaftliche Erscheinung (tiefere Auffassungals bei Güerry; Schwanken in der Freiheitsfrage); das Verbrechen als anthro-pologische Erscheinung. 3. Anthropologie: der mittlere Mensch als berechtigtePersonifikation; unberechtigte Anwendung der Mathematik; die Vorstellungvom Typus ist unklar; die Verteilung der Individuen nach ihrer Größe um dasMittel scheint kein äußeres Gesetz, sondern eine unerwartete Folge der An-ordnung des Versuches.

Quetelels Beiträge zur Bevölkerungsstatistik beginnen schon imJahre 1826; er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Verteilung der Ge-burten und der Sterbefälle nach den Jahreszeiten und bringt die Sterbe-fälle nach dem Alter wieder in Erinnerung. Im Jahre 1827 fügt er Be-merkungen hinzu über das Verhältnis der Geborenen und Verstorbeneneines Jahres zur Bevölkerung, über die Todesursachen, besonders wasden Einfluß der Temperatur betrifft, und zieht noch mancherlei andereverwandte Gegenstände in die Betrachtung. Ein förmliches Programmfür Untersuchungen dieser Art im Königreich der Niederlande, freilichnur so flüchtig ausgeführt, als das gerade vorhandene Material erlaubte,gibt er dann im Jahre 182 g, und als inzwischen, zum Teil durch dieseAnregungen, eine Volkszählung ausgeführt worden war denn vorherwar man auf die Ergebnisse der Zivilstandsregister beschränkt ge-wesen, gab er im Jahre i 832 den Textzu der ersten amtlichen Be-völkerungsstatistik heraus, die sich auf das neu abgetrennte KönigreichBelgien beschränkte, und mit Abwerfung aller veralteter Gesichtspunktedie Fragen wieder behandelte, die zum Teil den Inhalt der Süßmilch-schen Werke im vorigen Jahrhundert gebildet hatten. Es wird von derHäufigkeit der Ehen, von der Fruchtbarkeit derselben gehandelt, vonder Dichtigkeit der Bevölkerung, von den kritischen Lebensaltern usw.,und wie Süßmilch es gelan hatte, so geht auch Quetelet auf HalleysUntersuchungen zurück, wenn er auf die schwierigen Fragen bei derSterblichkeit nach dem Alter zu reden kommt. In dem ersten Buch desWerkesSur lhomme von i 835 richtet er dann seine Aufmerksamkeitauf die Leistungen der anderen Schriftsteller: von den Engländern ziehtihn besonders der wortreiche Sadler an wegen der Untersuchungenüber das Geschlechtsverhältnis bei den Neugeborenen und über den Ein-fluß, den das Allersverhältnis der Eltern darauf äußert; der FranzoseVille rme, der Deutsche Caspar werden fleißig benutzt, dagegen Süß-mil ehs Name nur gelegentlich erwähnt. Merkwürdig ist, daß die inihrer Anlage so großartigen Gedanken des Malthus so wenig bestimmendfür die Auffassung Quetelets gewesen sind; er haftet an der Äußerlich-