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I. Statistik.
„Statistique comparee de l’etat de 1’intruction et du nombre des criines“,worin zum ersten Male etwas Quellenmäßiges über den öffentlichenUnterricht in Frankreich erschien und gleichfalls zum ersten Male bunteKarten zur Veranschaulichung der Kriminalstatistik angewendet wurden.Ob theoretische Ansichten über den Ursprung des Verbrechens darinenthalten sind, kann ich nicht sagen, da mir das Werk nicht zugänglichist. Aus dem Briefwechsel Guerrys mit Quetelet jedoch erhellt, daßQueteletim Jahre i83i jenes Werk kannte; aber er zitiert nichts daraus,so daß es scheint, als sei es nur eine Diskussion der Tatsachen. Auchschrieb Guerry am n. September i83i an Quetelet , als er gehörthatte, daß dieser wieder mit einer Arbeit ähnlicher Art (die später als„Penchant au crime“ erschien), beschäftigt sei und sagt in diesem Briefnur, wie sehr er die Regelmäßigkeit bewundere, und daß er keinenGrund dafür wisse 1 . Auch in Guerrys Werk über die MoralstatistikFrankreichs von i833 wird die Regelmäßigkeit hervorgehoben, mit demZusatz, daß man dieselbe nicht begreifen könne 2 .
Das unfruchtbare Staunen, das unwillkürlich bei jedem eintritt, dersich mit diesem Stoff beschäftigt, hat also Guerry mit Quetelet ge-meinsam; dagegen der wenig klare, jedoch tiefsinnige Gedanke vom Ent-stehen des Verbrechens durch die Gesellschaft, und der Hinweis, daß dieRegelmäßigkeit nur so lange dauere, als keine wesentlichen Änderungeneintreten, gehört Quetelet an.
Im Jahre i835 verfolgte er denselben weiter; er nennt die jährlichbegangenen Verbrechen ein notwendiges Ergebnis unserer Gesellschaft,die in unverminderter Zahl wiederkehren, bis die sie herbeiführendenUrsachen geändert werden, und dahin müsse sich die Sorge des Gesetz-
1 Das Schreiben ist abgedruckt in Quelelets Abhandlung von 1831, Penchantau crime, S. 83—87; die Worte Guerrys lauten: Chaquc annec voit se reproduirele memo nombre de crimes dans le meme ordre et dans les memes regions, chaqueclasse de crime a sa distribution particuliere par sexe, par äge, par saison; toussont accompagnes, dans des proportions pareillcs de faits accessoires, indifferensen apparence, et dont rien n’explique le retour (S. 84).
In Guerrys späterem Werk, von 1833, Essai sur la statistique morale de IaFrance, S. 9 findet sich fast dieselbe Stelle: „chaquc classe de crimes a sa distribu-tion particuliere et invariable, par sexe, par äge etc.“, worin aber das Wort „in-variable“ den Sinn stark verändert. Gegen diese Übertreibung kämpft Quetelet 1835 in Sur 1’homme Vol. I, S. 9, Anmerkung.
2 Guerrys Worte a. a. O. S. 11: Si nous considerons maintenant le nombreinfini de circonstances qui peuvent faire commettre un crime . . ., nous ne sauronscomment concevoir, qu’en dernier resullat, leur concours amene des el'fets siconstans etc.