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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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fernt, daß es sich so verhielte: vielmehr ist es nur der Einfluß sozialerVerhältnisse, unter deren Herrschaft mehr oder weniger die gleichenWirkungen hervortreten. Wir sind weit entfernt, sagt er 1868, zu be-haupten, daß Regierung und Gesetzgebung ohne merklichen Einflußwären: es sind gerade diese Einflüsse, die er als soziale Verhältnisse auf-faßt und für fähig zur Umbildung betrachtet.

Nicht bei Verbrechen allein, auch hei so indifferenten Handlungenwie Eheschließungen sind, deutet er auf den engen Zusammenhang deseinzelnen mit der Gesellschaft hin: Die außerordentliche Beständigkeitin den Alterskombinationen, die so groß istals hätte man sich von einemEnde des Landes bis zum anderen verabredet in dieser Weise die Ehenzu schließen, wie es »in einem Gleichnis von 18^7 heißt: diese Be-ständigkeit kommt daher, daß der einzelne sich dem Herkommen undGebrauch unterwirft, die er überliefert findet, und die nach dem Ortewechseln. Der Mensch handelt als Bruchteil seines Volkes: denn auchdas Volk ist ein Wesen (a son individualite) und hat gleichsam einenfreien Willen. Die Regelmäßigkeit kommt zustande, sagt er ebenda,nicht sowohl durch den Willen des einzelnen, als durch die Gewohn-heiten des Wesens (etre concret), das wir Volk nennen, und das wiruns mit einem Willen und mit Gewohnheiten ausgestattet denken, vondenen es schwer abzubringen ist. Die einzelnen unterziehen sich denEinflüssen des Volkes, dem sie angehören, wie ebenso vielen Notwendig-keiten : diese Einflüsse, als die Ursachen, muß man zu verändern suchen:das ist es, worauf der Gesetzgeber hingewiesen wird.

Deutlich geht aus den angeführten Stellen hervor, daß Quetelethier seine Untersuchungen ganz im Geiste der Sozialwissenschaftendurchführt. Nicht ein einziges Mal betrachtet er, sei es die Verbrechen,sei es die Eheschließungen, vom Gesichtspunkt des Individuums, sondernimmer als Erscheinungen in der Gesellschaft, der er gleichsam ein eigenesLeben zuschreiben möchte. In dieser Auffassung liegt etwas unverkenn-bar Wahres: das Zusammensein in der Gesellschaft ist noch etwas mehrals ein Nebeneinandersein von einzelnen.

Zuweilen treibt er allerdings seine Behauptungen in Paradoxa hinein,