aaäsn
w >• * iPijJ
r^r*7*rrrr-
32 I. Statistik.
Die Anwendung der Mathematik jedoch, die Quetelet beim Wachs-tum des mittleren Menschen und beim Körpergewicht desselben macht,ist schwerlich zu billigen. Er bemüht sich eine Formel aufzustellen,welche Zahlenwerte umfaßt, die man für die Körpergröße eines jedengegebenen Alters gefunden hat, ähnlich wie er im Jahre 1826 eine so-genannte empirische Formel für die Verteilung der Geborenen nachJahreszeiten gegeben hatte. Die Auffindung einer Formel bringt nunfreilich zuweilen die Untersuchung über physikalische Vorgänge zumAbschluß, aber doch nur dann, wenn dieselbe sich aus einem glücklicherfaßten Gedanken entwickelt, mit dem der Forscher die Natur des Vor-ganges durchschaut. So ist in neuester.Zeit die Gleichung aufgefundenworden, welche den Bewegungen der Sonnenflecken Genüge tut, indemman aus der Umdrehung dieses Gestirns Strömungen in der Sonnen-atmosphäre und die Rückwirkung derselben auf die flüssige Oberflächeableitete 7 . Wenn aber Formeln aufgestellt werden, die ohne jede Be-ziehung auf die Natur des Vorganges nichts weiter leisten, als die be-obachteten Zahlenwerte gleichsam in nuce zu umschließen, was bei An-nahme einer willkürlichen Menge von sinnlosen Konstanten gar nichteinmal schwer ist, so hat das nichts mehr mit der angewandten Mathe-matik gemeinsam als den Gebrauch der Buchstaben, und man müßtesich freuen, annehmen zu dürfen, daß Quetelet nur seine Leser spielendauf ernstere Dinge vorbereiten wollte.
Daß ferner eine Loslösung des mittleren Menschen von der An-wendung bei Vergleichen etwas Verfehltes ist, das sieht auch der Un-zünftige ohne weiteres, und es ist zu bedauern, daß Quetelet vor derkünstlichen Herstellung dieses Homunkulus nicht durch Wahrnehmungdes Lächerlichen gewarnt wurde, das dem „mittleren Menschen in bezugauf Kunst, Literatur und dramatisches Talent“ innewohnt. Noch in denneuesten Schriften erscheint diese Wunderlichkeit, worüber man umso ruhiger zur Tagesordnung übergehen kann, als sich niemals einRedner zur Verteidigung hat einschreiben lassen.
Weniger leicht ist es, sich eine Meinung zu bilden über die Theorie,daß der mittlere Mensch der Typus sei, und über die Theorie von derVerteilung der einzelnen um das Mittel, je nach dem Grad ihrer Ab-weichung von demselben, welche der Typustheorie zur Stütze dient.Beide Anschauungen bilden den Abschluß der anthropologischen Ideen,
7 F. Zöllner, Rotationsgesetz der Sonne, in den Berichten der k. siffchs. Ge-sellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, mathem.-phys. Klasse, 1871.