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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Quetelet als Theoretiker.

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Forschungen darüber mit; im Jahre i833 fügt er die über das Körper-gewicht hinzu, i835 geht er zur Zählung des Pulses und der Atmungenüber und ermittelt die Kraft des rechten und des linken Armes amDynamometer. Es müsse zuletzt gelingen, sagt er dabei, das Alter einesMenschen aus der Gesamtheit seiner körperlichen Eigenschaften zu be-stimmen, was zum Beispiel in der gerichtlichen Medizin eine noch un-gelöste Aufgabe sei. In den Ergebnissen dieser Art lag in sofern nichtsÜberraschendes, als der menschliche Körper ein Gebilde aus wägbarenStoffen und von bestimmter Gestalt ist. Desto willkommener mußte dervielversprechendeHang zum Verbrechen sein, in welchem eine Artvon geistiger Eigenschaft des Menschen meßbar zu werden scheint. Allesdas zusammengenommen sollte zur wissenschaftlichen Darstellung desmittleren Menschen führen.

Wenn die mancherlei Messungen am Menschen das Individuelle ver-lieren sollten, so war es klar, daß sie an vielen einzelnen anzustellenwaren; die Verwendung konnte aber doch nur so geschehen, daß mansie wieder vereinigte, und zwar durch Herstellung mittlerer Werte.Dieser mittlere Wert vertritt in gewissem Sinne die vielen Einzelwerte,aus denen er gebildet ist, insbesondere wenn es sich darum handelt,zwei solche Gruppen untereinander zu vergleichen. Denn mag. es auchumständlich zu beweisen sein, so begreift sich doch leicht, daß derUnterschied zweier Mittelwerte höchst wahrscheinlich herrührt von den-jenigen Eigenschaften, nach denen die verglichenen Gruppen benannt sind.

Es wäre überflüssig) von der Nützlichkeit der Mittelwerte mehr zusagen, und solange man den Zweck des Vergleic.hens nicht aus den Augenverliert, ist es auch eine erlaubte Personifikation, wenn man einenmitt-leren Menschen zum Träger jener Mittelwerte macht. Die Frage, obOrt und Zeit auf den körperlichen Menschen umgestaltend wirken, wirddann in einer Art von Schulsprache lauten: ob der mittlere Mensch nachZeit und Ort sich ändere. Auch wird es geraten sein, die Personifikationnur mit solchen Eigenschaften auszustatten, die wie etwa Körpergrößeoder Gewicht bei jedem Menschen als wesentliche gefunden werden. Indieser Beschränkung ist der mittlere Mensch kein unberechtigtes Schlag-wort für Quetelets Bat, den er vielleicht an die medizinischen Wissen-schaften richten durfte, nicht bloß vereinzelte Fälle zu studieren, sondernmit Hilfe der Statistik möglichst nach Umfassung des ganzen Materialszu streben. Mögen die Anthropologen hier die Grenzen richtiger An-wendung näher bestimmen.