Druckschrift 
Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Quetelet als Theoretiker.

41

Sachen in ihren Hauptzügen bedingt, während Gewerbe, Lebensweiseund anderestörende Ursachen eigentlich in eine ganz andere Sphäregehörten und höchstens nebensächliche Schwankungen bewirkten.

Zehn Jahre später, in der Abhandlung, die eine Theorie der Statistikals eines Werkzeuges geben will (i845, Appreciation des documentsstatistiques), führt er die Betrachtungen über die Ursachen weiter aus.Früher hatte er dieselben nach ihrer Herkunft in natürliche und störendeeingeteilt, jetzt fügt er eine Einteilung nach der Wirkungsweise hinzu.Die Ursachen sind dreierlei: beständige, veränderliche und zufällige(causes constantes, variables, accidentelles). In welchem Verhältnis diesedrei Arten zueinander stehen, gibt er nicht an, obgleich sie einander nichtausschließen und also aus keinem logischen Einteilungsgrund hervor-gegangen sind. Was hindert mich zum Beispiel zufällige Ursachen an-zunehmen, die zugleich veränderlich sind? Das ganze Schema bleibträtselhaft, wenn man nicht etwa annimmt, daß man nur die Trümmereiner weiter greifenden Einteilung vor sich hat, die etwa so ausgesehenhaben könnte: A. wesentliche Ursachen; darunter nach der Wirkungs-weise: a) causes constantes, b) causes variables, welche letztere wiederin periodische und nicht periodische zerfallen; B. zufällige Ursachen(causes accidentelles), deren Unterabteilung nicht weiter verfolgt wird. Indiesem Sinne könnte die neue Einteilung ein Fortschritt gegen die früheresein. Alle diese Unterscheidungen haben nun bei Quetelet darin ihreBedeutung, daß die Statistik dazu geeignet ist, gewisse Auskünfte überdie in einer Erscheinung wirksamen Ursachen zu geben, und daß diesWerkzeug der Untersuchung je nach der Beschaffenheit jener Ursachengleichsam anders anzulegen sei.

Ganz einverstanden, wie man heutzutage über die Aufgabe der Stati-stik ist, bleibt doch in Quetelets theoretischen Ausführungen das Wieimmer unklar, und zwar schon wegen der Unbestimmtheit der Begriffe,wieUrsache oderstatistische Erscheinung sind. Es dürfte hier un-bedingt nötig sein, nicht alles auf einmal abzumachen, sondern die ein-zelnen Erscheinungen für sich durchzugehen.

Die Sterblichkeit im frühesten Kindesalter ist zum Beispiel sehr ab-hängig von Ort, Jahreszeit und Kalenderjahren; sie ist ferner sehr ab-hängig von der Lebensweise, von gesundheitspolizeilichen Einrichtungenusw. Es ist aber ganz verfehlt, die eine Art von Einflüssen für natürlicheoder wesentliche zu betrachten, die andere für störende oder zufällige;denn was überhaupt auf die Sterblichkeit einwirkt, muß von gleichem