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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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I. Statistik.

Ort wechseln, sondern insofern sie nacheinander auftauchen, neben-einander bestehen und nach beliebiger Dauer wieder untertauchen? Indiesem Eintritt, Verweilen und Austritt aus der Gattung liegt die Grund-erscheinung der menschlichen Gesellschaft; der Bevölkerungswechsel(man könnte ihn wegen der Wandlungen Metallaktik nennen) ist dieTheorie derselben; was soll sie in ihrem Inhalt mit der Mechanik gemeinhaben, die von fortbewegten Körpern handelt? Nichts in ihrem Inhalt;höchstens in ihrer Stellung zum Beobachtungsmaterial haben beideDisziplinen etwas Gemeinsames. Quetelet kommt hierüber nirgends zurKlarheit, sein eigentliches Gebiet sind schiefe Vergleichungen, über dieer dann nicht mehr gebietet, sondern die ihn in Versuchung führen.

Er bemerkt nicht die Gefahr, die es mit sich bringt, so ohne weiteresvon Kräften zu reden, wo nur Ursachen im allgemeinen in Betrachtkommen, da es mancherlei Veränderungen gibt, die nicht gerade Be-wegungen sind. Zwar läßt er zu, daß sich unter jenen Kräften auchmo-ralische befinden, da der Mensch zum Teil die Bedingungen, unter denener lebt, in seiner Gewalt hat, und denmoralischen Kräften wird einelangsam umbildende Wirkung nicht abgesprochen; aber schon in derBenennung forces perlurbatrices, die er diesen Kräften gibt, verrät sichwieder die Bückwirkung des Gleichnisses auf den Vergleicher.

So und nicht anders kann ich mir vorstellen, wie er zu einer Ein-teilung der Ursachen kam, auf die er des weiteren die Einteilung seinesStoffes begründet. In dem ersten Buch des WerkesSur lhomme, wodie Einflüsse besprochen werden, die auf Geburten und Sterbefällewirken, heißt es immer: erstens natürliche Einflüsse, zweitens störendeEinflüsse (causes naturelles, causes perturbatrices). Es versteht sich vonselbst, daß hier unter Störung nicht, wie im gemeinen Leben, ein lästigdazwischen tretender Zufall gemeint ist, sondern das Hereinwirken vonUrsachen, die außerhalb des Umfanges der zunächst für sich betrach-teten Erscheinung liegen; dem Astronomen kann man es also gewisser-maßen gelten lassen, wenn er den Einfluß politischer Einrichtungen,wie zum Beispiel den der Zwangsimpfung auf die Sterblichkeit, den'dergewöhnliche Mensch eher als förderlich ansieht, unter die Störungenrechnet. Nur fällt es auf, daß er die natürlichen und die störenden Ein-flüsse einander entgegensetzt, gleich, als wären die letzteren wenigernatürlich.

Dadurch erhält jeder Leser den Eindruck, als werde die Sterblichkeitdurch Geschlecht, Alter, Jahreszeit und die übrigennatürlichen Ur-