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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.

antillischen Urbevölkerung durch die Einfuhr äthiopischer Arbeitskräfteeinige Linderung zu verschaffen hoffte. Er selbst bereute es am Endeseines Lebens ... und sagt (i 56 o), er habe nicht gewußt, mit welcherMenschenverachtung und welcher Gewalt der Negerhandel betriebenwerde.

Trotz dieser Selbstanklage ist, wie schon Humboldt und selbstSprengel (1779) wissen, Las Casas nicht der Urheber des Negerhandels.Die Sache bedarf aber einer neuen Betrachtung, wenn wir über die Ver-neinung hinauskommen und wirklich aufdecken wollen, wie die Neger-arbeit nach Amerika kam.

Die vielumstrittene Rolle, die der fromme Bischof von Chiapa, LasCasas , gespielt hat, wird man am leichtesten verstehen, wenn man fest-hält, worauf es ihm in erster Reihe ankam: er wollte die .Eingeborenenvom Untergange retten, der ihnen drohte; und die Hauptgefahr lag inder rohen Ausbeutung der schwachen, ungeschmeidigen Rasse; er wolltediese Millionen von Seelen dem Christentum und dadurch dem Seelen-heil zuführen und das Gewissen seiner Landsleute vom Vorwurfe desRassenmordes freihalten. Er war eben Bischof, und er war ein ernst-hafter Mann, der bei gegebenem Zwecke auch die Mittel wollte.

So schlug er gelegentlich vor, weiße Landarbeiter (labradores) fürdie Meiereien der neuen Ansiedler nach Westindien zu bringen dennoffenbar war dies dienlich zur Erleichterung der Eingeborenen. Oder ersagte, man solle jedem Ansiedler erlauben, zwei Neger und eine Negerinfrei einzuführen: auch hierdurch wurden ja die Eingeborenen entlastet,und zwar, wie es scheint, ebenfalls auf den Meiereien. Im Jahre i5i7riet er der spanischen Krone, den angesiedelten Spaniern die Erlaubnisder Negereinfuhr zu geben, damit die Indianer in den Bergwerken mehrgeschont werden könnten.

Schon vorher hatten dies die Dominikanermönche verlangt, da, wiesie sagten, ein Neger mehr leiste als vier Indianer. Und gleichzeitig mitLas Casas haben es i5i7 die drei Hieronymitenmönche, die Regenten, diedamals Feinde des Las Casas waren, ebenfalls verlangt.

Las Casas hat also den Gedanken der Negereinfuhr weder zuerst, nochhat er ihn allein gehabt. Es hat auch längst vor seiner Wirksamkeit,bereits i5io, gelegentlich Negereinfuhr stattgefunden, als der Königbefahl, 5 o Sklaven nach Haiti zum Bergbau zu verschiffen, weil dieEingeborenen zu schwach seien an Geist und Körper.

DerBeschützer der Indianer hat eben nur auf einen damals be-