68
II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.
rohrs, der auf den Antillen zwischen i5i3 und i5i5 begann, und dervon Pedro de Atienza eingeführt wurde. Im Jahre i535 gab es au'fSt. Domingo schon 3o Zuckersiedereien, in denen man sich zum Aus-pressen des Saftes der Walzen bediente, welche von Gonzalo de Velosoeingeführt worden waren und sowohl durch Pferde als durch Wasser-werke in Bewegung gesetzt wurden. Es waren dies, sagt Humboldt,llandelsunternehmungen, zu denen die Kastilianer zunächst durch ihreBerührung mit den Arabern, dann durch ihre häufigen Verbindungenmit den Häfen Italiens angeregt wurden.
Hieran läßt sich ohne weiteres der Entwicklungsgang anknüpfen.Gehen wir zunächst dem Zuckerrohre nach, so ist dies Gewächs ausIndien, und zwar durch die Araber nach Südeuropa gekommen, zuerstnach Sizilien, dann nach Andalusien, wo es die Mauren lange vor Kolum-bus, sogar vor Heinrich dem Seefahrer, angebaut haben, offenbar mitHilfe von Sklaven, aber doch nur im Kleinen.
Als nun die Portugiesen unter Heinrich dem Seefahrer die afrika-nische Westküste entschleierten, da haben sie auf der Insel Madeira Weinreben aus Zypern und Zuckerrohr aus Sizilien verpflanzt — wo-mit also dieser Anbau sich auf eine Insel des Atlantischen Ozeans ver-breitet. Auch die Kanarischen Inseln wurden auf diese Weise nutzbargemacht.
Hier war Plantagenbetrieb.
Noch lehrreicher ist die Notiz von der Insel St. Thome, untermÄquator an der Westküste Afrikas gelegen: als der portugiesische KönigJohann II. eine große Anzahl Juden 1/192 aus Portugal vertrieb, ließensich diese auf St. Thome nieder, und bald wurden hier ansehnlicheZuckerplantagen errichtet, in welchen viele Tausende Negersklavenarbeiteten. Es gab hier Pflanzer, die i5o bis 3ooo Negersklaven aufihren Plantagen hatten: das sind also ganz große Unternehmungen!
Hiermit ist zweierlei festgestellt: das Zuckerrohr wurde plantagen-mäßig zuerst gerade vor der Entdeckung Amerikas an der afrikanischenKüste angebaut, und schon damals und dort wurden Neger dazu ver-wendet.
Als nun die tropischen Inseln Westindiens besiedelt waren, was lagnäher, als das Zuckerrohr dorthin zu verpflanzen; und als die Indianersich zu schwach erwiesen, sollte da wirklich erst Las Casas nötig gewesensein, um auf die ganz bekannte Verwendung der Neger hinzuweisen?
Humboldts an sich ganz richtige Beobachtung muß aber noch er-