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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Der Ursprung der Sklaverei in den Kolonien.

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weitert oder vielmehr vertieft werden. Folgt die Negersklaverei wirklichdem Zucker? Wenn die Araber so früh schon in Südeuropa Zuckerbauten und auch, wie ebenfalls feststeht, schwarze Sklaven hatten, diesie zweifellos beim Zuckerbau verwendeten warum schweigt die Ge-schichte von den Greueln der Negersklaverei so lange, bis das Zuckerrohrauf die Inseln und an die Gestade des Atlantischen Ozeans vordringt?Hat. nicht der Baumwollenbau etwas später ähnliche Wirkungen er-zeugt? Wie sollte also der Zucker daran schuld sein; nicht darauf kommtes an, was gebaut wird, sondern darauf, in welcher gewerblichen Ver-fassung der Anbau und die Verarbeitung geschieht.

Offenbar liegt die Sache so: am Anfänge des 16. Jahrhunderts keimtder kapitalistische Großbetrieb der Gewerbe auf; die Planlagenwirt-schaft mit Negersklaverei ist die früheste Erprobung dieser Belriebs-form, einerlei ob Zucker oder Baumwolle, oder was sonst dabei technischerzielt werde. Jene Walzen, Göpelwerke, Wasserräder sind die üblichenmechanischen Verbesserungen des Großbetriebs; und die begleitende Er-scheinung eines Standes von Handarbeitern, die gar nichts weiter, alsdies sind, tritt hier in der Form der Negersklavenschaft in völligerNacktheit und Schwärze auf. Denn auf dem jungfräulichen Boden, woman keine bestehenden Einrichtungen zu achten hatte, und gegenübervon Rassen, die außerhalb des Völkerrechtes standen, fiel jede Rück-sicht weg.

Ganz richtig erinnert Humboldt an den Handelsgeist der Genuesen:der Handelsgeist mußte sich erst des Gewerbebetriebs bemächtigen, esmußte reinweg wegen des Absatzes nach außen produziert werden mitden technisch damals besten Mitteln, und in einer Verfassung, welcheden mindesten Aufwand für Arbeitslohn versprach. Für Brasilien ist csbekannt, daß die erslen Zuckerplantagen durch Lissaboner Bankhäuserangelegt wurden, also kapitalistische Unternehmungen waren.

Also den Bedürfnissen des entstehenden Großbetriebs ist die gewerb-liche Negersklaverei, diejenige, welche den tropischen Kolonien dasMerkmal aufdrückt, zuzusohreiben. Die Negerfrage ist dort die Arbeiter-frage für den agrarisch-industriellen Großbetrieb der Plantagen. Durchdiese Betriebsform, nicht durch Las Casas und nicht durch das Zucker-rohr ist die gewerbliche Negersklaverei in die tropischen Kolonien derSpanier und der Portugiesen übertragen worden. Daher die ungeheurenStrecken angebaulen Landes, auf dem der Neger gräbt und pflanzt underntet, während der weiße Aufseher über ihm die Peitsche schwingt.