Zweyter A'ricf.
ihn L.ucherus verfolgte, und muß sein Andenken mich noch vonder Nachwelt befeindet-werden? Aber Sie erstaunen; L.mherusund verfolgen, scheinen Ihnen zwey Begriffe zu seyn, die sichwidersprechen. Geduld! Wann Sie wollen, so will ich Ihnenalles erzählen; und alsdann urtheilen Sie. Vorher aber mußich Sie um alles was heilig ist hittcn, mich nicht für einenelenden Feind eines der größten Männer, die jemals die Weltgesehen hat, zu halten, ^mherus stehet bey mir in einer sol-chen Verehrung, daß es mir, alles wohl überlegt, recht lieb ist,einige kleine Mängel a» ihm entdeckt zu haben, weil ich in derThat der Gefahr sonst nahe war, ihn zu vergöttern. Die Spu-ren der Menschheit, die ich an ihm finde, sind mir so kosthar,als die blendendste seiner Vollkommenheiten. Sie sind so garfür mich lehrreicher, als alle diese zusammen genommen; undich werde mir ein Verdienst daraus machen, sie Ihnen zuzeigen. °) — — Zur Sache also! Ä.cmnius, oder wie erauf Deutsch heißt, ^cmichcn, lag den Wissenschaften in Wit-tcnbcrg ob, eben als das Werk der Reformation am feurigstengetrieben ward. Sein Genie trieb ihn zur römischen Dichtkunst,und mit einer ziemlich beträchtlichen Stärke darinnc verband ereine gute Kenntniß der griechischen Sprache, welches damalsnoch etwas seltnes war. Sein muntrer Kopf und seine Wis-senschaften erwarben ihm die Freundschaft des N7clanchlhoi,s,welcher ihn mit Wohlthaten überhäufte. Sabinus, der Schwic-gcrsohn des Melanchtbons, befand sich damals auch in Wittcn-dcrg. Zwey gleiche Köpfe auf einer hohen Schule werden sichleicht finden, und Freunde werden. Sabinus und Aemnius
So muß der spreche», der aus Ueberzeugung und nicht aus Heu-chelet' lobt.
Aus dieser letzter» Quelle sind, leider ri» großer Tl'cil der imemgesciiränl-ten Lobsprnckc geflossen, die Luther» von unscrn Tl'cologc» beigelegt werde».
Demi lobe» ih» nicht auch diejenigen, deren ganzen, losem Geitzc undElwgcitze man es mir allzuwohl anmerkt, daß sie im Grunde ihres Herzens,nichts weniger als mit Lullier» zufrieden sind? die ihn heimlich verwimsche»,das; er sick nuf Unkosten seiner Amtsbrndcr groß gemacht, daß er die Gewaltund den Reichthum der Kirche den Regenten in die Hände gespielt, und dengeistlichen Stand dem weltlichen 'Preis gegeben, da dock dieser so mancheJahrhunderte jenes Sklave gewesen? Am», d. Verf^ 1784.
18"