Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

270

Zweyter Brief.

wurden cS auf dic auSnchmcndstc Weise, und ich finde, daßauch die darauf folgenden Handel ihre Freundschaft nicht geendethaben. Zm Zahrc 4538 kam cs Ä.cmnlc> ein, zwey Bücherlateinischer Sinnschriflcn drucken zu lassen. Er ließ sie also un-ter seinem Namen drucken; er ließ sie in Wittcnbcrg drucken,und brachte sic vorher, wie ich cs höchst wahrscheinlich zeigenkann, dem Mclailchthoi, zur Beurtheilung. Diese drey Um-stände, mein Herr, erwägen Sic wohl; sie beweisen schon soviel, daß Aemnius cin gut Gewissen muß gehabt haben. N7e-lanchthon fand nichts anstößiges darinnc, wie cs Sabinus dcmDrucker versicherte. Nunmehr wurden sie bekannt gemacht; aberkaum waren sic ciuigc Tage in den Händen der Leser gewesen,als Luther auf einmal cin entsctzlichcS Ungcwittcr widcr sic,und ihrcn Verfasser erregte. Und warum? Fand cr ctwa jeneU>»iv!»n veidoiu», lieentlam darinnc? Diese wäre vielleicht zuentschuldigen gewesen, wcil sic dcr Mcistcr in dicscr Art desWitzes, Martial, I^,!Ai!>mmi>ton IInFvam nennt. Oder fand cr,daß sic giftige Ncrlcumdungcn enthielten, dic Ehrc cincs nnsckul-digcn Nächsten zu brandmahlcn? Oder fand cr gar scinc cigcncPerson darinnc beleidigt? Ncin; allcs das, wcßwcgcn Sinn-schristcn mißfallen können, mißfiel wuchern nicht, weil cs nichtdarinnc anzutreffen war; sondern das mißfiel ihm, was wahr-haftig an den Sinnschriflcn das anstößige sonst nicht ist: ciuigcLobcscrhcbnngcn. Untcr den damaligen Beförderern dcr Gelehr-samkeit war dcr Churfürst, von Maynz Albertus cincr dcr vor-nchmstcn. ^.cmmns hatte Wohlthaten von ihm empfangen,und mit was kann sich cin Dichtcr sonst crkcnntlich crzcigcn, alsmit scincn Vcrscn ? Er machte also dcrcn cinc zicmliche Mcngczu seinem Ruhme; cr lobtc ihn als cincn gclchrtcn Prinzen, undals cincn gutcn Rcgcntcn. Er nahm sich abcr wohl in Acht,cs nicht auf Suchers Unkosten zu thun, welcher an dcm Alber-tus cincn Gegner hatte. Er gedachte scincs Eifcrs für dic Re-ligion nicht mit cincm Wortc, und bcgnügtc sich, scinc Dank-barkeit mit ganz allgemeinen, ob gleich hin und wieder übertrie-benen Schmcichlcycn an dcn Tag zu legen. Gleichwohl ver-droß cs wuchern; und cincn katholischen Prinzen, in Wittcn-bcrg, vor seincm Angcsichtc zu loben, schien ihm ein unvcrgcb-