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sondern mit der Phantasie, mit lebendiger Anschauung ergriffen. InCoopers Romanen kommt ein Indianer vor, der in der Ferne eine Rauch-säule auf steigen sieht; er beobachtet sie wenige Sekunden und sagt mitvölliger Sicherheit: das ist das Feuer eines Bleichgesichts. Woran erkennter das? Weil ein Indianer nur trockenes Holz (das nur schwachen Rauchentwickelt) verbrennt, ein qualmendes Feuer aber, in der Nähe vonFeinden — kann nur von einem Europäer angezündet sein. An dieseArt des Scharfsinns wird man auf jedem Blatt in Meitzens Werk erinnert.Wir heben einige Beispiele heraus.
Da wohnen zum Beispiel auf dem linken Ufer des Niederrheins dieripuarischen Franken. Haben sie wohl in Dörfern gewohnt? Meitzensagt nein, sie müssen in Einzelhöfen gewohnt haben; denn in ihrem Ge-setzbuche (lex ribuaria) steht: wer eine Herde — worunter je 12 Kühemit einem Stier verstanden werden — stiehlt, der bezahlt, außer demErsatz, 600 Solidi als Buße. Der Zusammenhang ist nun der: einesolche Buße ist ganz ungeheuer hoch, also muß jener Diebstahl als be-sonders verwerflich gegolten haben. Dann aber fragt man sich: wiesoll denn, wenn dörferweise gewohnt wird, das Stehlen einer Herde —die ja unter einem Hirten weidet — so zustande kommen, idaß der Diebgerade ein Dutzend Kühe erwischt?
Wenn aber der ripuarische Bauer in Einzelhöfen wohnt, dann hälter keine Hirten; sein Vieh, gerade etwa eine solche Gruppe, weidet auf-sichtslos in Kämpen, die umfriedigt sind. Diese Art des Viehhaltens mitschweren Strafen zu sichern, hat das allergrößte öffentliche Interesse;und gerade hier ist es nicht nur möglich, sondern sogar ganz leicht,ein volles Dutzend Kühe auf einmal wegzutreiben (I, 566).
Also hat es in Ripuarien Einzelhöfe so gewiß gegeben — als jenerQualm vom Feuer eines Bleichgesichtes auf stieg.
Hier noch ein anderer Fall!
Friedberg, eine Stadt in Oberhessen, zeigt auf der Karte seiner Flurdrei oder vier Quadrate, von Feldwegen scharf umzogen, gleich an In-halt. Gewanne sind es nicht, sie umschließen vielmehr eine Anzahl vonGewannen. Und die Feldwege, zum Teil scheinbar verschwindend, laufenstreckenweise „im Acker als steiniger Untergrund fort“. Also sind sieälter als die jetzige Ackereinteilung. Nun aber sind auf deutschen Flurendie Wege jünger als die Ackereinteilung, und ganz fremd sinduns Systeme rechtwinkliger Wege, am fremdesten solche, die Quadrateeinschließen.