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die Mühe gibt, nach Meitzens Angaben die Verbreitung dieser Wald-kolonien auf einer Karte aufzutragen, der findet ungefähr dasselbe Bild,wie wenn er die Ausbreitung der deutschen Sprache in der Nachbarschaftder Wenden und Tschechen gezeichnet hätte. Daraus aber geht sofortein höchst wichtiger, bis dahin unbekannter Umstand hervor: die wen-dische Sprachinsel des Spreewaldes ist von ihrem slawischen Hinter-lande abgetrennt durch solche deutsche Waldkolonien, und ebenso istdie Einschnürung des tschechischen Sprachgebietes und dessen nurschmaler Zusammenhang mit dem slowakischen Hinterlande durch dasVorrücken deutscher Hinterwäldler auf den Mittelgebirgen zustande ge-kommen. So planvoll angelegte Kolonien, deren Grundriß noch bis heuteerhalten ist, können aber nur unter bewußter Leitung eines Grundherrnzustande gekommen sein. Und so kommt die Ausbreitung der Deutschengegen Osten in Zusammenhang mit dem Streben von Grundherren, ihrenWaldbesitz durch Rodung und Verleihung des Bodens an deutsche Bauern einträglich zu machen. Daß darüber etwa noch Urkunden inirgend beträchtlicher Menge erhalten wären, davon kann keine Rede sein.Hier wäre alles stumm, hätte man nicht jene — tausend Furchen, dieman in den Schoß der Erde grub'.
Gerade dies östliche Deutschland , seine Kolonisation im Mittelalterund das Entstehen des großen Gutsbetriebes daselbst am Beginn der Neu-zeit, hat der Verfasser für spätere Zeit Vorbehalten; davon soll erst diezweite Abteilung des Werkes handeln — und dies trifft sich insofernglücklich, weil gerade hierüber schon manches durch AbhandlungenMeitzens bekannt ist. Dagegen hat Meitzen seine Anschauungen über dasältere, westliche Deutschland hier zum erstenmal in solcher Ausführ-lichkeit dargestellt.
Das Hauptergebnis für den Westen ist ungefähr folgendes: Ganzungemein schmal ist das Land, auf welchem von jeher deutsche Stämmesaßen; abgesehen vom skandinavischen Norden, ist es ein Strich, derzwischen der Unterweser und Unterelbe eingeschlossen ist; geht manweiter nach Süden, so bildet westlich der Limes romanus, östlich dieSaale die Grenze und der querfließende Main schließt nach Süden ab.
Was von diesem Urdeutschland, wie wir es nennen wollen,, im Ostenliegt, ist erst späte Erwerbung durch Kolonisation, hauptsächlich aufKosten der Slawen.
Was aber im Westen, also links der Weser, und was im Süden liegt,ist im wesentlichen, schon in früher Zeit, den Kelten abgenommen,