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IV. Geldtheorie.
von unveränderlichem Werte warten? So lange, bis die juristische Naturdes Begriffs Zahlungsmittel verstanden ist. —
Ein ähnliches Knäuel von Mißverständnissen liegt vor in den Redens-arten von der Kaufkraft des Geldes, von dem Werte des Geldes und vondem Steigen der Preise bei der sogenannten Verschlechterung des Geldes.
Die Entwirrung dieser Vorstellungen gelingt nur, wenn man dieStellung des Geldes im Innern des Staates streng unterscheidet von denBeziehungen unseres Geldes zu dem der Nachbarstaaten.
Nehmen wir einmal an, es sei wie in Österreich nach x 85g unein-lösbares Papiergeld in valutarische Stellung gekommen, und der inter-valutarische Kurs gegen Deutschland sei für Österreich ungünstig. Derösterreichische Silbergulden habe ein Agio, weil er technisch in deutscheTalerstücke verwandelbar ist.
In diesem Falle, sagt der Metallist, sieht doch jedermann, daß derWert des österreichischen valutarischen Geldes (nämlich der uneinlös-baren Banknoten) tiefer steht als vorher; das österreichische Geld hatan Kaufkraft verloren; höchst wahrscheinlich müssen in Österreich diePreise aller Waren steigen.
Fangen wir bei den Preisen an, so meinen die Metallisten, der Preisbedeute eine Metallmenge; von diesem Standpunkte aus ist es nicht un-logisch, zu vermuten, daß nun alle Preise steigen müssen; denn füreinen Papiergulden ist ja jetzt weniger Silber zu kaufen als vorher.Offenbar ist dies der Grund, weshalb der Metallist ein allgemeines Steigender Preise im Innern des Landes, also beispielsweise in Österreich , fürwahrscheinlich hält.
Aber was sagt die Beobachtung der Wirklichkeit? Hier ist zu unter-scheiden, ob man von Preisen redet, die schon verabredet waren, alsdas uneinlösbare Papiergeld valularisch wurde, oder ob es sich um Preiseaus neu entstehenden Kaufgeschäften handelt.
Im ersten Falle nehmen wir als Beispiel: Ich habe neulich mein Hausverkauft, und heute soll der Preis von iooooo Gulden bezahlt werden;in der Zwischenzeit aber ist das uneinlösbare Papiergeld valutarisch'geworden und im Kurs gegen Deutschland gesunken. Habe ich nunmehr als iooooo Gulden in Papier zu fordern? Nein! Kein Richterhilft mir dazu, mehr als die früher verabredeten iooooo Gulden zuerlangen; ich muß mich mit der Nominalzahlung jener Summe, ent-richtet in Papier, begnügen. Solche Preise also ändern sich nicht, dennsie sind ja von vornherein Nominalpreise.