Erläuterungen zur Staatlichen Theorie des Geldes. 245
lang der technischen Welt mit der juristischen; man erwartet von derNatur eine Erscheinung, die nur im Geistesleben Vorkommen kann.
Aber vergessen wir nicht, daß wir nicht mit zugewogenem Metallbezahlen; der Autometallismus ist längst vorüber.
Der zweite Fall ist viel wichtiger: In manchen Ländern, die bereitsChartalverfassung der Zahlungsmittel haben, also Geld gebrauchen, hatein gewisses Metall einen festen Preis (zum Beispiel bei uns das Gold;ein Pfund kostet mit nur ganz geringen Abweichungen i3g5 Mark). Istnun hier das Gold der Wertmesser? Dem Laien erscheint es so. Abermit zugewogenem Golde wird bei uns nicht bezahlt. Jener feste Preisentsteht bei uns ganz anders als im vorher betrachteten Falle, nämlichdadurch, daß der Staat den Goldpreis künstlich reguliert; er zahlt fürjedes Pfund 1892 Mark; und er sorgt dafür, daß man im valutarischenGel de (bei uns in den Goldmünzen) auf je i3g5 Mark ein Pfund Goldfinde.
Der feste Preis des Goldes ist also bei uns eine Folge bestehender Ein-richtungen: der Wert des Goldes ist ex institutione fest.
Solange diese Einrichtung besteht, mag das Gold dem Laien als Wert-messer erscheinen; aber wenn die Einrichtung aufhörte, würde das ander Geltung unserer Stücke gar nichts ändern. Es ist also in Wirklich-keit ganz anders als der Laie glaubt: die nominale Werteinheit ist unserWertmesser.
Andere als diese beiden Fälle sind mir nicht bekannt; in beiden Fällenaber wird eine Eigenschaft, die dem Zahlmittel als solchem zukommt,irrtümlicherweise auf eine natürliche Sache übertragen.
Der Nominalist braucht also von einem Gute, welches Wertmessersei, gar nicht zu reden.
Der Metallist hingegen stellt sich unbewußt die Sache so vor: Wereinen Preis für sein Getreide fordert, der vergleicht zuerst mit einemMetall; er beschließt, davon soundso viele Gewichtseinheiten zu fordernund rechnet nun, unter Benützung des Münzfußes, die Anzahl der Wert-einheiten (Mark, Gulden) aus.
Wir aber sagen: Der Verkäufer nennt sofort die Anzahl der Gulden,der Kronen usw. und weiß in der Regel gar nicht mit dem MünzfußBescheid; denn er denkt bei dem Zahlungsmittel nur daran, was er seiner-seits morgen dafür kaufen kann.
Wie lange wird — in unseren Lehrbüchern — das Gold noch Wert-messer bleiben? Wie lange werden unsere Lehrer noch auf das Gut