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IV. Geldtheorie.
annimmt als er sie ausgibt, dann untergräbt er die Rechtsordnung, zuHeren Pflege er berufen ist.
Wenn also ununterbrochen neue Massen von uneinlösbarem Papier-gelde durch den Staat geschaffen und später deren Annahme bei denStaatskassen zur vollen Geltung verweigert wird — so sind dies Miß-stände, die von der „Staatlichen Theorie“ nicht einmal erwähnt — ge-schweige denn empfohlen worden sind, da wir auf keine Lotterwirtschaft,sondern auf geordnete Zustände zu blicken hatten, um die neuere Rechts-entwicklung zu beschreiben.
Gesetzt nun, der Staat halte diese Regel ein, er nehme also die Stückezu derselben Geltung an, wie er sie ausgibt, was zum Beispiel in den ;Zeiten der österreichischen Währung immer der Fall war. Hingegen,um bei diesem Reispiel stehen zu bleiben, sei der Staat genötigt, unein-lösbare Kassenscheine („Staatsnoten“) auszugeben, was bekanntlich vomMai 1866 bis Dezember 1867 geschehen ist: der Betrag solcher Notenstieg bis zu 3 12 Millionen Gulden. Wir fragen nun: wo liegt denn eigent-lich das Verhängnisvolle dieses Ereignisses, das von allen Seiten so rück-sichtslos verurteilt wird?
Vorher muß festgestellt werden, daß ein Staat, der sich nicht andershelfen kann, geradezu selbstmörderisch handelt, wenn er in seinerhöchsten Not dies Verfahren nicht anwendet. Die Einwände der Ökono-misten sind dann ganz unpolitisch gedacht und bleiben mit Rechtunbeachtet. Aber wir wollen dies als zugestanden betrachten und nuruntersuchen, wo das Übel seinen Sitz hat.
Jedenfalls nicht im inneren Zahlungsverkehr; wie oben bemerkt, istan allgemeine Verwirrung aller Preise gar nicht zu denken, nur dasMetall, welches vorher zur Schaffung des baren Geldes (in unserem Sinnedes Wortes) diente, wird in seiner Preisbildung betroffen, was denn dochkein nationales Unglück ist.
Wohl aber entsteht in den meisten Fällen eine starke Störung derintervalutarischen Kurse, also zum Beispiel des deutsch -österreichischenWechselkurses. Das ist gewiß ein großes Übel. Aber um es abzuwenden,muß doch keineswegs jenes Papiergeld aus der Welt geschafft werden;es genügt, daß der Staat sich den Besitz von so viel ausländischenZahlungsmitteln sichert, daß er als übermächtiger Mitspekulant in Valutaauf der Börse auftreten kann, um den Kurs auf einer gewissen Höhezu halten. Dann ist also dies Übel aus der Welt geschafft.
Der eine große Mißstand in der Zeit der österreichischen Währung