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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Die Währungsfrage vom Staate aus betrachtet.

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entwickelt werden soll, und zwar für alle Staaten, für die mit Gold-währung, für die mit Silberwährung und für die mit Papierwährung.Es gibt keine allgemein anwendbare Möglichkeit, die Werteinheit durchMetallmengen zu definieren.

Philosophisch ist das gewiß sehr merkwürdig, aber dieser Satz sollheute nur flüchtig erwähnt werden. Eine genauere Betrachtung dagegenwidmen wir der praktischen Seite und heben hervor, was am Geld-wesen in seiner neueren Entwicklung bemerkenswert ist.

Allgemein bekannt ist folgendes: England hat nach i8i5 die Gold-währung wiederhergestellt, die zur Zeit der Napoleonischen Kriege eineZeitlang unterbrochen war. Das Deutsche Reich ist in den Jahren 1871bis 1876 zur Goldwährung übergegangen. Frankreich hatte seit i 8 o 3den Bimetallismus, ist aber nach dem letzten Kriege dem Silber untreugeworden und hat sich oberflächlich betrachtet ebenfalls derGoldwährung zugewendet, seit 1876. Österreich hat im Jahre 1892eine längere Reformarbeit begonnen, deren anfängliches Ziel ganz offen-bar die Herstellung der Goldwährung gewesen ist. Mithin ist es klar,daß Silberwährung sowohl als Bimetallismus besiegt sind; der Triumphdes Goldes ist zweifellos; nur auf das Metall Gold ist die neuere Geld-verfassung im Westen Europas auf gebaut. Das Silber hat zwar nichtphysikalisch, aber juristisch, seine Stellung als Edelmetall verloren; undzwar vermutlich deshalb, weil es weniger geeignet sei zum Geldstoff alsdas Gold. Dies ist ungefähr, was wir alle unzählige Male gelesen haben.

Die Tatsache vom Triumph des Goldes ist nicht zu bestreiten; ganzfalsch aber ist der verbreitete Gedanke, als ob hierbei die Eigenschaftender beiden Metalle mit im Spiele seien, insbesondere als ob die geringereBrauchbarkeit des Silbers sich in der Neuzeit durch praktische Er-fahrungen erst herausgestellt habe. Davon kann gar nicht die Rede sein.Ebensowenig ist es wahr, daß etwa zuerst die Volksmeinung über jeneMetalle sich geändert habe, und daß die Regierungen dann der geändertenVolksmeinung gefolgt seien. Das alles sind populäre Vorurteile, die nichtstichhaltig sind.

Um die wahren Gründe für die Ausbreitung der Goldwährung zufinden, müssen wir etwas weiter ausholen. Was ist denn eigentlich Gold-währung? Ist es die Verfassung, bei welcher größere Zahlungen inGoldstücken geleistet werden? So einfach ist die Sache nicht.

Goldwährung ist vielmehr ein Regriff, der sich nur definieren läßt,wenn wir vorher feststellen, was bares Geld ist und was valutarisches