2(58
IV. Geldtheorie.
sie sich alle auf die Lehren der sogenannten klassischen Nationalökono-mie gestützt. Bei Adam Smith und bei David Ricardo fanden sie eineGeldlehre, die durchaus metallistisch war. Dort wird gelehrt, daß dieWerteinheit (Pfund Sterling) definierbar sei als eine Gewichtsmenge Me-talls; ursprünglich als eine Silbermenge, später als eine gewisse MengeGoldes. Diese Vorstellung nahmen unsere Nationalökonomen ohne weiteresan und konnten so aufs leichteste ihre programmatische Theorie unter-stützen. Nicht nur empfehlen sie die Goldwährung, weil sie nützlichist; sondern — so fügen sie hinzu — auch deshalb, weil die theoretischeNationalökonomie sich nichts anderes vorstellen könne als eine melalli-slisch definierte Werteinheit.
Das Mitwirken programmatischer Theoretiker in solchen Dingen isteine bedeutsame Sache, schon deshalb, weil der Journalist und der Ab-geordnete keine Zeit hat, sich in das Studium schwebender Angelegen-heiten zu vertiefen. Er will Werke nachschlagen, die ihm Vorarbeiten;deshalb zieht er die Schriften der Gelehrten zu Rate, und auf diesemWege dringen die Anschauungen der Schule in die öffentliche Meinungein. Ist dies einmal gelungen, so kehrt sich das Verhältnis um: manstützt sich auf die öffentliche Meinung und behauptet schließlich, wirseien zur Goldwährung übergegangen, weil dies im Seelenleben desVolkes begründet sei; denn das Volk fordere eine metallistisch definierte,jetzt sogar eine goldmetallistisch definierte Werteinheit. Ob das wahrist, hat keine praktische Bedeutung. Da alle programmatischen Theore-tiker nur auf rednerische Wirkung ausgehen, so mögen sie immerhindiejenige Begründung wählen, die „zieht“. Zugkräftige Gründe sind fürden Redner die besten, sogar die einzig praktischen.
Ich erkenne, wie gesagt, ohne Vorbehalt an, daß unsere National-ökonomen sich Verdienste erworben haben durch ihr programmatischesEintreten für die Goldwährung, die bei uns seit 1876 durchgeführtist. Seit 1876 leistet nämlich die Reichsbank ihre Zahlungen, sobald derEmpfänger darauf besteht, in unseren Goldstücken; sie tut es faktisch,obgleich sie bis 1907 auch berechtigt gewesen wäre, in Talern zu zahlen.Es kommt nur darauf an, daß die Reichsbank in Goldstücken, auf Ver-langen der Empfänger, zahlt. Das ist seit 1876 geschehen. Heute tutsie es auch, und wir haben also jenes Ziel längst erreicht.
Worin liegt aber der Nutzen dieser Goldwährung? Jedenfalls darin,daß wir nun feste Kurse gegen England haben, sowie gegen die andei’enLänder mit Goldwährung. Feste Kurse auf der Börse; das heißt: für ein