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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Uber die Theorien des Geldwesens.

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Pfund Sterling zahlt man in Berlin auf der Börse nahezu 20,43 Mk.Sollte der Kurs höher sein, so senden wir unsere Goldstücke über denKanal, wo sie nach festem Satze in Sovereigns verwandelbar sind. Solltedagegen der Kurs tiefer stehen, so senden die Engländer ihre Sovereignszu uns, wo sie nach festem Satze in 20 -Markstücke verwandelbar sind.

Das gibt jedermann zu!

Unsere programmatischen Theoretiker aber behaupten noch mehr;sie sagen: nun ist in Deutschland die Werteinheit, genannt Mark, de-finierbar durch die Behauptung: eine Mark ist der i3g5ste Teil einesPfundes Gold . Denn aus einem Pfunde Gold werden bekanntlich i3g5Mark in Goldstücken geschlagen, woran niemand zweifelt.

Aber diese Definition der Mark, diese metallistische Definition, diesich auf die Technik der Ausmünzung gründet, gibt nicht jedermann zu.Ich zum Beispiel gebe sie keineswegs zu, obgleich es ungemein wirk-sam wäre, auf diesen metallistischen Boden zu treten. Mir ist es keines-wegs einerlei, auf welche Gründe ich mich stütze, wenn sie nurziehen.Denn ich bin kein Publizist, kein programmatischer Theoretiker, sondernein analysierender.

Es sei gestattet, diese Richtung ein wenig deutlicher zu machen,da sie nicht von vornherein einleuchtet.

Der analysierende Theoretiker steht im Zuschauerraum und nichtauf der politischen Bühne. Er geht sozusagen jeden Tag ins Theater undsieht sich alle Stücke an; er sagt: alles was wir da aufführen sehen,ist des Studiums wert. Andere Leute haben ihre Lieblingsstücke undloben etwa nur die Zauberflöte oder Kabale und Liebe; von RichardWagner aber wollen sie vielleicht nichts wissen. Unser Zuschauer abersagt: ein Dichter ist nicht dasselbe wie alle Dichter. Die Dichtkunstals solche muß an der Gesamtheit der Dichter studiert werden.

So ist der analysierende Theoretiker im Geldwesen gestimmt. Es gibtdie verschiedensten Geldverfassungen: Goldwährung, Silberwährungsogar Währungen mit uneinlösbarem Papier. Einige davon sindschlechter, andere besser; aber sie verdienen alle zunächst einmal be-schrieben und erklärt zu werden. Und vor allem: was ist denn das allenGemeinsame? Sie müssen doch etwas Gemeinsames haben, etwa so wiedie Klasse der Säugetiere etwas Gemeinsames hat.

Dies Gemeinsame hat die sonst ganz ehrbare klassische National-ökonomie, die zu ihrer Zeit gar nicht übel war, völlig verkannt; meinet-