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IV. Geldtheorie.
wegen in entschuldbarer Weise; aber trotzdem völlig verkannt. Sie siehtnämlich das Gemeinsame im Münzwesen; von da nimmt sie ihren Aus-gang, weil in der Tat das Münzwesen historisch den Anfang bildet. Alleunsere Nationalökonomen sind Metallisten, weil sie beim monetarischenAnfang stehen bleiben. Sie reden vom Feingehalt, vom Schrot und Korn,vom Gepräge, vom Schlagschatz, vom Passiergewicht — von lauter ganznötigen, aber auch ganz technischen Dingen. Sobald das Papiergeld, be-sonders das uneinlösbare, auf tritt, sind unsere Nationalökonomen in Ver-legenheit; sie geraten in eine vielleicht ganz nützliche Entrüstung —aber weiter kommen sie nicht.
Aber das Münzwesen führt nicht zum Verständnis des Geldwesens.
Und weshalb? Weil das Geldwesen nur vom Zahlungswesen aus ver-standen werden kann. Das Zahlungswesen aber ist etwas Juristisches,während das Münzwesen etwas Technisches ist.
Dann also müßten die Juristen entzückt sein, daß sie auf gef ordertwerden, in den Saal einzutreten, aus dem die Münzgelehrten ausgewiesensind. Ganz gewiß, wenn es lauter philosophisch gestimmte Juristen gäbe.Solange aber die Juristen nur wissen wollen, was im Geldwesen heuteRechtens ist, sind sie gleichgültig. Der Richter fragt ganz einfach: Kannman in Talern eine gültige Zahlung leisten? Früher konnte man es; jetztkann man es nicht mehr. Und damit ist die Sache abgemacht. Weiterbesinnt sich nur der philosophisch gestimmte Jurist — von denen aberviele die Last des Nachdenkens zwar für erforderlich halten, aber aufden Nationalökonomen abwälzen. So etwa liegt es jetzt.
Also vom Zahlungswesen soll man ausgehen; ist denn das nichteine Tautologie? Kann man etwa anders zahlen als mit Geld?
Gewiß kann man das. Als man noch mit zugewogenem Metall be-zahlte, da bezahlte man schon, aber nicht mit Geld.
Ferner: wenn man durch Überweisung eines Giroguthabens zahlt,so bezahlt man zwar, aber nicht mehr mit Geld.
Es gab also Zahlungen, ehe es Geld gab; es würde noch Zahlungengeben, wenn es kein Geld mehr gäbe; aber es gibt auch Zahlungen mitGeld.
So muß wohl jede allgemeine Theorie reden; jeder der drei Spezial-fälle wäre viel zu eng, um als Grundlage einer Theorie zu dienen. Ebensokaltblütig geht die analysierende Theorie an die weitere Unterscheidungder Geldarten.
Gewisse Geldarten sind gemünzt, also Metallplatten; mit Zeichen ver-