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IY. Geldtheoric.
auf meine Ansichten befinde. Ich bedarf also einiger Schonung. Ichfasse meine Lage hier so auf, daß es mir erlaubt ist, mich mit meinenAbsonderlichkeiten hören zu lassen. Hingegen verzichte ich von vorn-herein darauf, jemanden zu überzeugen. Ich möchte nur andeuten, wieich zu meiner, von der allgemeinen etwas abweichenden, Auffassungüber das Geldwesen komme und aus welcher Ecke heraus mir dieseAbweichungen notwendig erscheinen. Ich bin aber weit entfernt davon,irgendwelche Zustimmung zu erwarten.
Ich dachte mir zunächst, es wäre zweckmäßig, über die Frage derAufnahme der Barzahlungen oder über die Unterlassung derselben zusprechen. Nun haben mir mein Freund Philippovich und Herr Oster-setzer mitgeteilt, daß über diese Frage in Wien und speziell auch inIhrer Gesellschaft schon viel gesprochen und verhandelt wurde, unddaß man diese Frage hier nicht mehr für sehr dringlich hält. Dasgenügt mir. Ich habe daher dieses Thema zurückgestellt und will michmehr mit der ganz allgemeinen Frage beschäftigen, wie man nachmeiner Auffassung zu der sogenannten staatlichen Theorie des Geldeskommen muß.
Wenn wir unsere Lehrbücher genau ansehen, so besteht wohl keinZweifel darüber, daß die Theorien über das Geldwesen, welche da vor-getragen werden, wesentlich vom Standpunkt der Münzgeschichte unddes Münzwesens ihren Ausgang nehmen. Der Satz, daß das Gold insoundso viele und soundso schwere Stücke ausgemünzt werden müsse,die einen staatlichen Stempel haben, oder daß das andere Metall, Silber,soundso ausgemünzt werden müsse, gleichfalls mit einem staatlichenStempel, und daß man dann mit diesen Stücken bezahlt, kehrt überall,sozusagen als das Einfachste und Natürlichste wieder, und von diesemSatze geht man sprossenweise die Leiter hinauf, um zuletzt aus demanfänglichen Gesichtspunkte heraus das ganze Geldwesen zu erläutern.Dabei kehrt es immer wieder, daß unsere Münzen als Stücke charakteri-siert werden, deren Gewicht und Feinheit vom Staate garantiert seien.Für manche Münze trifft das allerdings zu, charakterisiert aber nur diellandelsmünze, wie die Dukaten, die Maria-Theresientaler: Handels-münzen, mit denen man keine Tasse Kaffee in Österreich bezahlen kann,weil sie kein Geld sind. Diese Münzen sind staatlich ausgeprägte Stücke,deren Stempel wirklich nur das bedeutet und nichts anderes; Geld sinddiese Stücke nicht; denn ihnen fehlt die gesetzlich festgesetzte Geltungin Werleinheiten. Von einem Dukaten kann niemand sagen, wieviel