Österreich und die staatliche Theorie des Geldes. 285
Kronen er gilt; er gilt überhaupt nicht, er ist zwar ein Stück Gold, giltaber nicht. Was das Metallgeld als Geld charakterisiert, ist nicht derMetallgehalt, sondern die dem Metallgeld vom Staate zugeschriebeneGeltung.
Jene Schriftsteller, welche mit dem Gewicht und Feingehalt an-fangen und in dem Stempel nur eine Beglaubigung dieser technischenEigenschaften sehen, nenne ich Metallisten. Das ist kein unhöflicherAusdruck (Heiterkeit), sondern soll charakterisieren, daß als das Cha-rakteristische der Metallgehalt der Stücke gemeint ist. Hingegen habeich für jene Schriftsteller, deren Zahl ungewöhnlich gering ist, die nichtvon dem Gehalt, sondern von der staatlichen Begütigung, von demRechtssatz ausgehen, daß dieses Stück von Staats wegen eine oder fünfoder zehn Kronen gilt, den Namen Chartalisten erfunden, wobei gemeintist, daß eine solche Begütigung durch den Staat nicht nur bei Münzenstattfinden kann und muß, damit sie als Geld umlaufen, sondern, daßdiese Begütigung auch auf Papierzettel übertragen werden kann. Dasist der Anfang für die staatliche Theorie des Geldes, daß man von demRechtssatz ausgeht, der die Geltung der Stücke bestimmt. Während dieherrschende Theorie des Geldwesens eine technische Unterlage hat, hatdiese staatliche Theorie eine juristische, eine verwaltungsrechtliche Unter-lage.
Nun könnte man fragen, warum bleibt man denn nicht bei der erstenArt der Betrachtung, bei dem Gehalt der Stücke an Gold, Silber usw?Darauf erwidere ich, daß man mit der metallistischen Anschauung dieAnfänge des Geldwesens erklären kann, weil sie wirklich so gewesensind. Kein Zweifel: für den Anfang des Geldwesens ist die metallistischeAuffassung ganz vorzüglich, weil sie einfach beschreibt, wie man zusolchen Tauschmitteln gekommen ist. Wir stehen aber nicht mehr ganzim Anfang, sondern wir sind mindestens in der Mitte der Entwicklungdes Geldwesens. Dem Theoretiker kommt es darauf an, seine allgemeinenSätze so zu formulieren, daß man nicht nur einen Teil der Entwicklung,sondern die ganze Entwicklung daraus ableiten kann. Und da ist es fürmich keine Frage, daß man aus der metallistischen Auffassung zwar dieAnfänge des Geldwesens glänzend darlegen, daß man aber Mitte undEnde der Entwicklung damit nicht finden kann. Die Geschichte desösterreichischen Geldwesens kann in einigen, allerdings sehr kurzenEpochen metallistisch ganz befriedigend erklärt werden, so zum Beispieldie Geschichte des österreichischen Geldwesens in den Monaten Sep-