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IV. Geldtheorie.
tembcr bis Dezember i858, als es dem Freiherrn v. Bruck gelungen war,in Österreich im Sinne der Silberwährung die Barzahlung herzustellen.Also einige Monate lang hat Österreich eine Geldverfassung gehabt, dieman auch, aber nicht ausschließlich, metallistisch verstehen kann. Hin-gegen liegt in den übrigen, ziemlich vielen Jahren, sowohl vor als hinterdem Zeitabschnitte des italienischen Krieges, für Österreich eine Epoche,deren Erscheinungen mit der melallislischen Theorie zu erklären voll-ständig unmöglich ist. Sie ist eben nur für den Anfang, nicht aber auch'für die Weiterentwicklung brauchbar, sie ist also nicht umfassend genug,um die Gesamtentwicklung in sich aufzunehmen, und das ist für michder Beweis dafür, daß die metallistische Theorie nicht jene Anerkennungverdient, welche sie in Anspruch nimmt. Eine Theorie, die zu eng ist,ist eben keine vollständige Theorie; denn eine vollständige Theorie mußweit genug sein, um alle Erscheinungen unterbringen zu können. Das istaber bei der metallistischen Theorie nicht möglich, wenn man sie aufÖsterreich anwenden will. Österreich ist aber doch ein Reich, dessen Er-scheinungen gleichfalls erklärt werden wollen, und weil dies mit der me-lallislischen Theorie nicht möglich ist, habe ich mit ihr gebrochen.
Man könnte nun etwa glauben, ich wäre ein begeisterter Anhänger desganz lumpigen Papiergeldes, und daß so recht schlechtes und recht vielesPapiergeld mein Ideal wäre. Denn damit wäre ja die Idee realisiert, daßdas Geld, diese Lumpenzettel, keinen Gehglt haben. Aber nichts liegtmir ferner als das. Die Sache steht nicht so, daß die staatliche Theoriedes Geldes das Metallgeld ablehnt und nur das Papiergeld empfiehlt, umdie Menschen glücklich zu machen. Hier handelt es sich um das reineVerständnis. Die nicht-metallistische Theorie, die Chartaltheorie, ist nichtder metallistischen Theorie entgegengesetzt, sondern übergeordnet. Sie istder weitere Begriff. Es soll das gemeinsame Haus gezimmert werden,um die verschiedenen Formen gleichmäßig in demselben unterbringen zukönnen. Wer da meint, ich wäre ein Anhänger der übertriebenen Aus-gabe von Papiergeld, von Inflation und derartigen Mißbräuchen, irrt ganzund gar. Ich setze als selbstverständlich voraus, daß die Staaten ihr Bud-get in Ordnung halten können, das brauche ich nicht besonders hervor-zuheben. Ich bin durchaus kein Freund der Assignaten Wirtschaft. Aberfür mich besteht die Notwendigkeit, die österreichischen Erscheinungenzu erklären; ich will sie gar nicht weiter empfehlen, ich will nur sagen,wie es kommt, daß man auch so wirtschaften kann. Das kommt ganz ein-fach daher, weil die juristischen Momente die Hauptsache sind. Die ver-