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IV. Geldtheorie.
hindernd entgegenstellen, Notstände, welche es bedrängen, das sind dieVerhältnisse, wo man das Geldwesen am besten studieren kann. Es ist einfalscher Standpunkt, zu sagen, daß die österreichische Geldverfassungim Sinne unserer Gelehrten nur selten eine normale gewesen sei. Das istgerade für das Studium der Sache ein Vorzug. Es ist ein Unglück fürden Staat gewesen; aber man kann daraus lernen, was uns im Augenblickinteressiert. Österreich ist eben das Land, in welchem die Entwicklungdes Geldwesens wegen der ungeheuren Mannigfaltigkeit der Ereignisseam besten studiert werden kann. Die staatliche Theorie des Geldes, die imAugenblick im Entstehen begriffen ist, ist der theoretische Ausdruckdessen, was in Österreich erlebt worden ist. Diese Erlebnisse einheitlichizu erklären, dazu ist die staatliche Theorie des Geldes geeignet. WirTheoretiker geben nicht von vornherein Ratschläge, was der Bankpräsident,was der Finanzminister und was der Gouverneur tun soll; wir lernen viel-mehr von denen, die im Leben stehen und suchen dasjenige, was ge-schehen ist, auf die einfachsten Grundgedanken zurückzuführen. Derösterreichische Staat soll nicht von uns Theoretikern lernen, sondern wirTheoretiker wollen zunächst dasjenige, was geschehen ist, in klare Be-leuchtung setzen, wir wollen die Hauptsache herausschälen und dasNebensächliche beiseite lassen. Es scheint das eine nur bescheidene Lei-stung zu sein. Aber es gibt in der praktischen Entwicklung, besondersdann, wenn die Dinge sehr kompliziert sind, Momente, wo der Prak-tiker, trotz seines Fortwursteins und Weiterfrettens, sehr froh ist, wennihm einmal die einfachen Gedankengänge seines Tuns offengelegt werden.Das ist der Dienst, welchen die Theorie der Praxis leistet, weil demPraktiker die Zeit fehlt, mit klarem Bewußtsein das Nebensächlicheauszuschalten. Der gewöhnliche Schiffer versteht nichts von der nau-tischen Wissenschaft, er ist aber dem Nautiker dankbar, wenn der ihmeinen guten Rat gibt. Ich hin weit davon entfernt, für die Theorie dasRecht in Anspruch zu nehmen, dem Praktiker den Weg zu weisen, den erzu gehen habe, wohl aber ist es ihre Aufgabe, den Weg zu beleuchten,,den die Praktiker zurückgelegt haben, um ihnen auf diese Weise dieFortsetzung ihres Weges zu erleichtern. Unter diesem Gesichtspunktist die staatliche Theorie des Geldes zu beurteilen. Ich habe bei demStudium der österreichischen Dinge ein musterhaftes Verwallungsrechtkennen zu lernen Gelegenheit gehabt, dessen praktische Konsequenz undKlarheit kaum übertroffen werden kann. Das Verhältnis der staatlichenTheorie zu Österreich ist, daß Österreich die Erfahrungen geliefert hat,