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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Österreich und die staatliche Theorie des Geldes. |2fl5

jenen Einwand zu erheben haben, um etwas Geduld und Nachsicht. Ichwill nur zeigen, wo die ganze Sache hinausläuft, ich will die Überzeugungaussprechen, daß wir, wenn andere Gelehrte uns helfen, nach kurzerZeit eine ausreichende Theorie des Geldwesens nach der Seite der Ver-waltung hin haben werden, wir werden dann auch die wenigen, kümmer-lichen Kenntnisse aus dem Münzwesen beibehalten und miterzählen, ohnediese Seite der Frage vorne hinzustellen.

Was die staatliche Theorie in bezug auf Österreich anlangt, so kannich mich hier ganz kurz fassen. Österreich hat in bezug auf seine Geld-verfassung furchtbare Schicksale erlebt. Das Jahr 1811 ist nun fastein Jahrhundert vorüber, das Jahr 18/| 8 brachte ein fast vollständigesAusgehen des Bargeldes in den staatlichen Kassen, es kam der Zwangs-kurs für die Banknoten, es kamen die Anleihen bei der Bank, mochte siewollen oder nicht; der Staat greift zu, und zwar mit Recht, denn er mußsich vor allem aufrechterhalten, und so eine Anleihe bei der Bank istfür ihn eine ganz untergeordnete Sache, ein Minimum gegenüber dengroßen Aufgaben, die der Staat als solcher hat. Dieser Zustand dauertebis zum italienischen Krieg, wo Freiherr v. Bruck das Geldwesen aufder Basis der Silberwährung einrichtete, weil Deutschland die Silber-währung hatte und nicht etwa deshalb, weil er Silber vorgezogen hätte.Auch diese Geldverfassung ging zugrunde, und als die Schäden beinahegeheilt waren, kam das Jahr 1866, und es mußte in Österreich mitStaatsnoten, neben den Banknoten, gewirtschaftet werden, bis endlichim Jahre 1892 die Grundlage der jetzigen Geldverfassung gelegt wurde.Österreich ist also ein Reich, das auf dem Gebiete des Geldwesens zwarsehr großes Unglück erlebt hat gewiß und es ist insbesondere derBarverfassung immer aus dem Wege gegangen. Die Kräfte haben dazunicht ausgereicht. Aber gerade dieses Reich muß man ernsthaft nehmen.Man muß es studieren und muß fragen: wie es die Österreicher an-gestellt, um aus all diesen Drangsalen herauszukommen. Österreich istdas klassische Land nicht für das beste Geldwesen in jedem Augen-blick aber wo man das Geldwesen und seine Entwicklung am bestenstudieren kann. Wie soll man bei uns in Deutschland , das seit demJahre 1876 seine heutige Geldverfassung hat, wie soll man an deutschemMaterial das Geldwesen und seine Entwicklung studieren? Diesem Geld-wesen ist nie etwas passiert. Ein Geldwesen muß aber, um erprobt zusein, durch Feuer und Wasser getrieben werden. Schicksale, die sich