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IV. Geldtlieorie.
lieh vom Standpunkt des Finanzministers betrachtet, spielt da noch einsehr erhebliches Moment mit: die Russen müssen nämlich ihre Staats-schuld vermehren, um diesen Stand ihres Rubels aufrechtzuerhalten.Das kostet dem russischen Staat Opfer, wenn aber der Staat diese Opferbringen will und bringen kann, dann kann auch Mendelssohn das Seinigetun und den Wechselkurs halten. Wir sehen also, der Wechselkurs kannin Ordnung gehalten werden, wenn ein Mann da ist, welcher die ent-sprechenden Opfer bringt. Für einen wohlgeordneten Staat, dem einsolches Unglück nicht passiert ist, wie es Rußland passiert ist, sind dieGefahren viel geringer, und er würde mit weniger Opfern seinenWechselkurs in Ordnung halten können.
Und in Österreich? Sie wissen, daß der Wechselkurs in Österreich mit Bezug auf Deutschland von einer fast tadellosen Festigkeit ist. Esist das beinahe schon langweilig geworden. Die österreichische Kronesteht wie eine Mauer. Da ist nichts zu spekulieren. Das ist eine höchstwohltätige Erscheinung. Fragen wir nach den Gründen der Festigkeitdieses deutsch -österreichischen Wechselkurses, so sehen wir die Erklärungdafür darin, daß die österreichische Regierung und die österreichischeGesamtverwaltung, zu welcher auch die Österreichisch-ungarische Bankgehört, endlich dahinter gekommen sind, daß man, wenn geordneteFinanzverhältnisse da sind, diesen Wechselkurs durch eine ordnendeHand auf einer beinahe absolut gleichen Höhe halten kann. Steht davonetwas bei jenen Schriftstellern, welche die metallistische Theorie desGeldwesens vertreten? Nein. Es gehört auch dort nicht hinein; denn dasist Verwaltungstechnik und nicht Münztechnik, das ist die Verwaltungs-tätigkeit des Staates, und so erreicht er diesen Erfolg. Während die Metal-listen über die Geldsorten sehr schöne Auskunft geben können, muß jetztdie verwaltungsrechtliche Seite der Frage in Betracht gezogen und klareingesehen werden, daß man in unseren Zentralbanken große Institutehat, welche eine doppelte Aufgabe erfüllen. Denn erstens sind sie geld-erwerbende Institute — die Aktionäre wollen ja Dividenden sehen — dannwerden aber diese Institute auch vom Staate für gewisse Zwecke ver-wendet, welche auf dem Gebiet der Wechselregulierung liegen.
Ich gebe natürlich vollkommen zu, daß einzelne Sätze, die ich aus-gesprochen habe, von mir hier nicht hinlänglich begründet werdenkonnten, aber das ist in der mir zur Verfügung stehenden Zeit auch un-möglich. Ich bitte daher jene Herren, welche im Geist diesen oder