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kann nur fungieren, bei uns sowohl wie in jeder anderen Volkswirtschaft,eine als Werteinheit angenommene oder gesetzlich festgesetzte Wert-größe, wie eine solche zum Beispiel der Gulden, der Dollar, die Rupieoder dergleichen ist, niemals aber Gold oder Silber.“
Hammers Vorstellungen vom Agio in Österreich hat er in einem anmich gerichteten Briefe aus Wien vom 2. Juli 1898 zusammengefaßt.Der Brief zeigt eine sehr klare kaufmännische Handschrift und wardie Antwort darauf, daß ich ihm geschrieben hatte, ich fände seineAusführungen über das Agio in einer mir übersendeten Broschüre nichtgenügend. Er sagt:
„Was Ihre Bemerkung betreffend das Agio und die Entstehung des-selben anlangt, so erlaube ich mir folgendes zu erwidern. Das Agio,welches in einem von seinem Pari abgedrängten Preisverhältnis desösterreichisch-ungarischen Geldes zum sogenannten Goldgelde zum Aus-druck gelangt, ist ein Produkt des Getriebes auf dem Geldmärkte, dersich an den Börsen abwickelt. Dieses Getriebe ist heutzutage vorzugs-weise von folgenden Umständen beherrscht:
1. Man hält Geld einerseits und Gold (früher auch Silber) undDevisen anderseits für identische Begriffe.
2. Man glaubt, daß Silber oder Gold als Währung fungiere.
3 . Man identifiziert die Währung mit dem Gelde.
k- Man verkennt, daß Gulden, Mark, Rupie oder dergleichen „Wert-einheiten“ (nicht Edelmetall-, Münz- oder gar Rechnungseinheiten)sind, welche dauernd ein und dieselben und absolute Wertgrößen dar-stellen, und endlich
5 . Man übersieht, daß eine Gulden-Münze oder -Note, solange siefür einen Gulden voll angenommen wird und somit die volle Zahlkraft,d. i. per 1 Gulden behält, den immer gleichen und absoluten Wert,d. i. per 1 Gulden besitzt.
Diese Umstände sind die Existenzursache des Agios. Infolge dieserUmstände ist zwar bei uns der Kurs des sogenannten Goldgeldes vonseinem Pari abgedrängt worden und dem Wechsel ausgesetzt. Durchdie Beseitigung dieser Ursache, welche vermöge der von mir vorge-schlagenen staatlichen Maßnahmen zu erwirken ist, wird sich die Exi-stenz eines Agios zu einem Dinge der Unmöglichkeit gestalten.“
Wir fügen noch zwei Stellen über die Regelung der Valuta bei. Inder Schrift: „Die Maßnahmen zur Herbeiführung definitiv geregelterValuta-Verhältnisse“, Wien 1894, heißt es Seite 17: „... Es müssen