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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Hermann und Helferich.

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wenn man von Gassenbuben spricht. Wissen Sie, woher der AusdruckGeier kommt? Ich habe es nun heraus; es kommt vom französischengaillard. Denn es sind in Erlangen viele französische Einwanderer von derZeit der Aufhebung des Edikts von Nantes ; man hat ihnen viel indu-striellen Aufschwung zu verdanken. Wir kamen an ein Haus, worin dasStatistische Bureau des Handelsministeriums untergebracht war, undHermann, der Vorstand, hatte seinen Schreibern einige Aufträge zugeben.Gehen Sie nur mit; so was müssen Sie auch einmal gesehenhaben. Wissen Sie, wozu die Statistik da ist? Wie hätte man das wissenkönnen, und wer hätte sich getraut, eine Antwort zu geben!Nun, esist sehr einfach: die Statistik ist für den Staat, was das Selbslbewußt-sein für den Menschen. Das Geschäft mit den Schreibern war baldabgemacht, und wir näherten uns dem Englischen Garten.Was ichgar nicht leiden kann, das sind die verschwommenen Schriftsteller überKulturgeschichte. Ich meine nicht die Kulturgeschichte, sondern dieSchriftsteller darüber; die sehen das Allerwichtigste nicht. Wovon hängtdie Kultur in unseren nördlichen Gegenden in erster Linie ab? Nichtwahr, das fällt Ihnen nicht ein? Es ist doch so naheliegend: von denFensterscheiben. Denken Sie sich das Fensterglas weg was wird ausuns? Drei Vierteile des Jahres sind wir dann außerstande, zu lesen,zu schreiben, zu denken. Da reden die Leute vom Dampf, von Eisen-bahnen und solchen Dingen; aber die Fensterscheibe ist eine viel wich-tigere Erfindung; wir verdanken ihr das künstliche Klima unserer Häuser.Ja, ja, die Herren Schriftsteller häufen immer neuen Stoff zusammen;aber ordentlich nachdenken über das Gegebene, das ist nicht ihr Fall.Alles geht auf Extensität hinaus, niemand schätzt die Intensität. Vondem extensiven Unterricht halt ich ebenfalls nichts. Was wird nicht allesin den Schulen gelehrt? Immer neue Fächer neben die alten Fächer.Wenn ich aber ein Feld pflügen will glauben Sie, es sei klug, stattder einen Pflugschar vielmehr zwei oder drei nebeneinander anzubringen?Wo soll denn das hinaus? Es sind ja doch keine Dampfmaschinen vor-gespannt sondern Ochsen!

Und mit unseren Zeitungen gehts auch immer zurück. Lauter breitesGewäsche: wem es sonst nie übel wird, da könnte ers lernen.

Ich will Ihnen einen Rat geben. Versuchen Sie einmal, wenn Sieschreiben, alles auf den allerkürzesten Ausdruck zu bringen. Daraufkommt es an. Das können die wenigsten. Lassen Sie die Redensarten weg.Ich lese gar nicht weiter, wenn einer von volkswirtschaftlichen Er-