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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

wägungen im allgemeinen schreibt. Er soll doch gleich sagen, was er füreine Sache meint!

Englisch können Sie doch? Die Engländer sind viel weiter als wir.Machen Sie es wie ich: ich habe die Edinburgh Review und die Quarterly,Review ganz genau gelesen. Da lernt man was; dort drüben gehen großeDinge vor, und das parlamentarische Leben wirft alles in die Öffent-lichkeit. Wer diese Sachen nicht kennt, der darf gar nicht mitreden.

Und wenn Sie dann hier zu viel Geselligkeit haben, dann gehen Sienach einiger Zeit weg.

So war seine Rede: immer derb und schroff, schlagfertig und uner-bittlich. In seiner Nähe hatte jeder das Gefühl, als wäre man sonst in derRegel gescheiter. Daher die Furcht, die er um sich verbreitete.

Aber das schließt nicht aus, daß er sich eifriger Leute annahm undihnen guten Rat erteilte; und nie war jemand in diesem Maß frei vonaller Phrase.

Er pflegte damals, und wohl überhaupt, nicht über die besonderenZweige der Volkswirtschaft vorzutragen; insbesondere kam der agrari-sche Teil etwas zu kurz.

Hingegen verlautete, daß Georg Hanssen in Rerlin der größte Kennerder agrarischen Nationalökonomie sei. Ein Aufenthalt von zwei Semesternbei ihm bewies allerdings die Richtigkeit dieses Gerüchts; zugleich aberwar mit dem Ende des fünften Semesters jener Augenblick gekommen,der keinem Studenten erspart bleibt: man redet älteren Freunden gegen-über vertraulich vom nötigen Abschluß der Studien (das Wort Examenpflegt man dabei in frommer Scheu zu vermeiden), und man sieht sichnach einem Lehrer um, der diesem Anliegen ein wohlwollendes Ver-ständnis entgegenbringt. Hanssen selbst hatte zu solchen Dingen nichtviel Lust. Aber in der königlichen Ribliothek stand die Tübinger Zeit-schrift, und in derselben stand eine Abhandlung von Helferich, demGöttinger Professor, über das württembergische Agrarwesen, die sichalso auf ein bestimmtes deutsches Land und auf eine bestimmte Zeitbezog, ohne sich im Allgemeinen zu bewegen. Sollte dieser Lehrer viel-leicht ein zugänglicher Mann sein? Nur durch persönliches Aufsuchenkonnte das festgestellt werden. Also schleunige Abreise von Rerlin undAnkunft in Göttingen am Anfang des Monats März 1 864-

Göttingen war damals als Stadt sehr unscheinbar; aber auf demWege durch die Stadt sah man doch eine Ruchhandlung, und im Schau-fenster derselben stand ein neuer Band von II. v. Thünen, dessen älteres