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Engel hatte wohl kaum regelrecht studiert, jedenfalls war der jungeGeheime Oberregierungsrat kein Jurist. Er war auf technischen Schulengewesen, behielt von daher stets die hohe Achtung vor allen Leistungender Ingenieure, in denen ihm das menschliche Können am meisten ver-körpert schien, bis später die Kunst des Feldherrn von ihm noch höhergewürdigt wurde. Als junger Techniker wollte er eben den Betrieb einerGlashütte beginnen, als die Revolution von i848 ihren Schrecken ver-breitete und seinen Auftraggebern den Mut raubte. So wandte sich Engeldamals zur Publizistik, und von da kam er in das Königlich SächsischeStatistische Bureau zu Dresden , dessen Zeitschrift durch ihre Lebendig-keit ihn rasch bekannt machte. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit Preu-ßens auf ihn gerichtet, und man halte ihn 1861 nach Berlin berufen.
In der Lindenstraße ging es nun lebhafter her. Engel schaffte auchhier Luft und Licht und warf dabei die heiligsten Gebräuche um. Denner hatte merkwürdige Einfälle; zum Beispiel den, daß die Veröffent-lichungen des Bureaus von einer Verlagsbuchhandlung verwaltet werdenmüßten — und diese Buchhandlung sollte eine besondere Abteilung desBureaus sein. Unerhört! Man denke sich den Lärm! Aber Engel hat esfertig gebracht, die Buchhandlung wurde errichtet.
Mit der Volkszählung wurde es auch bald anders. Der Direktor setztedie Selbsteintragung in die Listen durch (Zählblätter gab es damals nochnicht). Wer als Gehilfe dabei ein halbes Jahr mitgeschohen hat, derweiß, wie reibungsvoll solche scheinbar einfache Reformen sind. Dahererklären sich auch die unaufhörlichen Kämpfe mit dem VorgesetztenMinisterium des Innern. Gewiß war Eulenburg allein derjenige, der gegenalle Dezernenten Halt gewährte, weil ihm, dem Minister, die stürmischeArt und das Naturwüchsige gefiel, was den Räten durchaus lästig war.Indessen soll hier das einzelne der amtlichen Tätigkeit nicht geschildertwerden.
Die damaligen statistischen Bureaus hatten alle ihre Kraft in derMasse ihrer Tabellen und begnügten sich mit höchst geringem beglei-tendem Text. Hier ist nun der Punkt, wo Engels Tätigkeit einsetzt. DieStatistik, dachte er, dient bis jetzt nur der Verwaltung; sie gehört aberin die Öffentlichkeit. Wir wollen diesen seinen Grundsatz quellenmäßigbelegen: in Nr. i der Zeitschrift des sächsischen Bureaus, datiert vomi. Februar i855, Seile i, lautet der allererste Satz: „Das befruchtendeElement der Statistik ist die Öffentlichkeit.“ Selten hat jemand mit demersten Wort so sehr die Aufgabe seines Lebens verraten.
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