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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Georg Hanssen .

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System des landwirtschaftlichen Betriebs. Man glaubte früher, diesesälteste System sei die Dreifelderwirtschaft was aber schon Roschermit Recht bezweifelte. Hanssen zeigte nun den richtigen Weg: es wardie wilde Feldgraswirtschaft. Regellos wurde ein Fleck Landes aus derWeide herausgenommen und, solange es ging, mit Getreide bestellt. Wardas Land erschöpft, so fiel es wieder in die Weide zurück, und anderswowurde ein neuerSchlag für den Getreidebau ausgesondert. Hanssenwußte dies dergestalt aus der Natur der Sache zu begründen, daß er alledie endlose Auslegerei alter Schriftsteller siegreich zur Seite schob. Dieserkühne und glückliche Versuch, aus reiner Sachkenntnis heraus zu sagen:so muß es gewesen sein, trägt ganz und gar den Stempel seines Geistes.

Endlich hat Hanssen unstreitig das meiste getan, um die Natur desRittergutes unserer Ostseeländer zu erschließen. Wie dieser Großbetriebanwuchs durchLegen von Bauerngütern; wie die übrig bleibendenBauern zu immer steigenden Frondiensten für den Gutsherrn genötigtwurden: das haben wir von ihm gelernt. Und nicht minder dies: die Be-freiung der Bauern aus der sogenanntenLeibeigenschaft konnte nurgeschehen unter tiefgreifender Änderung der Wirtschaft. Im östlichenHolstein sind damals die Gutsbetriebe meistens zerschlagen und bäuer-lichen Pächtern zugeteilt worden, die nun allerdings frei sein konnten.Dabei haben auch die landwirtschaftlichen Betriebssysteme sich mannig-fach verändert, und so hängt diese ganze Neuordnung aufs engste mitden Fragen zusammen, die für Hanssen im Vordergrund standen: erzeigte stets mit Vorliebe die Bedingungen auf, durch welche die Wand-lungen in der Landwirtschaft herbeigeführt werden; natürlich sind hiernur die gesellschaftlichen (nicht die naturwissenschaftlichen) Be-dingungen gemeint, die auf die Technik der Landwirtschaft zurück-wirken.

Geradezu unbegreiflich war es, wie wenig Hanssen in seinen Vor-lesungen das zur Geltung brachte, was er selbst erforscht hatte. Er fühltesich an die herkömmliche Form des Unterrichts, etwa im Sinne derRauschen Werke, innerlich gebunden. So klar und kraftvoll, so reichund gedrängt er schrieb, so war dies nur ein unbewußter Nebenerfolgseiner scharfen Auffassungsgabe und nicht eigentlich künstlerischesWollen! Sonst wäre der redende Lehrer dem schreibenden Forscher ähn-licher gewesen. Aber es gibt eine unfehlbare Probe auf die Echtheit desGedankengehaltes: wenn ein Dozent viele Wochen lang das vorträgt,was bei Hanssen steht, und wenn dabei die Zuhörer bis auf den letzten