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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

Aufschwung, der mich auch meinen gedrückten Gesundheitszustandleichter ertragen ließ.

Ich war in den unteren Klassen der lateinischen Schule des Jo-hanneums nur ein mittelmäßiger Schüler. In Sekunda und Prima ge-hörte ich aber zu den besten Schülern, welche eine Art Elite bildetenund, wenn nicht durch stetigen Schulüeiß, so doch durch den Drangnach wissenschaftlicher Erkenntnis und durch das Streben nach selb-ständiger geistiger Entwicklung sich auszeichneten.

Von den Lehrern erwähnt Ilanssen einen, namens Ullrich:er be-handelte den Thukydides ernst grammatikalisch; wir mußten uns deut-lich machen, warum in diesem oder jenem Satze nicht diese, sondernjene Partikel gebraucht worden. Der Thukydides ist später meiner Ge-dankenwelt entrückt; der Methode Ullrichs verdanke ich aber, daß ich,von Natur flüchtig, mich später auf einem ganz anderen Gebiete derStatistik einer größeren Genauigkeit befleißigte.

Im Frühjahr 1827 konnte ich den Abgang zur Universität ins Augefassen.

Die Möglichkeit dazu eröffnete mir in erster Linie mein edler Schul-freund Palm, welcher Ostern dieses Jahres abgehen wollte und auchferner mit mir zusammen zu leben wünschte. Er nannte mich seinenMentor, da ich in einigen Unterrichtsgegenständen ihm voraus war und,was schwerer wog, ihn für eine idealere Auffassung unserer Lebens-aufgabe begeistert hatte. In anderer Beziehung war er aber mein Mentor,mein Vorbild wegen seiner feinen Gesittung, seiner Milde, Besonnenheitund geistigen Ruhe; er zähmte mein ungestümes Wesen.

Sein vermögender Vater bewilligte ihm einen Wechsel von 100 Louis-dor, damals der übliche Satz für die studierenden Söhne der HamburgerPatrizier. Er versprach mir hiervon 20 Louisdor jährlich abzugeben, under hat dies Versprechen unter eigenen Entbehrungen redlich gehalten,auch in der Periode der Universitätsjahre, wo wir in verschiedenenStädten lebten und dadurch getrennt waren.

Anderweitige Unterstützungen wurden durch den früheren LehrerUllrich und durch einen Oheim vermittelt,so daß ich sorgenfrei dieUniversität beziehen konnte. Wir wählten Heidelberg , ich für Juris-prudenz, er für allgemeinere Studien.

Die Notlage meiner frühen Jugendhat mich geistig aufgerüttelt,ich bin bescheidener, verträglicher, anspruchsloser, genügsamer ge-worden, als es in anderer Lage der Fall gewesen sein würde.