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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Hanssens Lebenserinnerungen.

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und jenes an, immer ohne Erfolg. Wir zogen von einer bescheidenenWohnung in eine andere noch beschränktere und billigere, zuletzt weithinaus in die Vorstadt St. Georg , in eine Wohnung mit nur einer Stubeund einer Kammer für 20 Taler jährlich, wofür die gleichfalls armeHausfrau noch die Verpflichtung hatte, etwas Mittagessen für uns gegenLieferung des nötigen Materials zu kochen. Das Mittagessen bestandmeistens nur aus Grütze oder dergleichen und Kartoffeln, zu welchenwir uns eine Leberwurst kauften. Brot, Butter, Kaffee hielten wir unsselber, besorgten auch selber die Reinigung der Zimmer und das Auf-machen der Betten. Die halbjährliche Miete von 10 Talern konnte meinVater einmal nur dadurch bezahlen, daß er die Werke von Wieland,seinem Lieblingsschriftsteller, verkaufte.

Alte Bekannte, welche von meinem Vater in seinen besseren Tagenviele Gastfreundschaft genossen hatten, schenkten zuweilen ab-getragene Kleider, welche mein Vater durch einen Flickschneider füruns zustulzen ließ.

Mehr Not machte die Anschaffung und Reparatur des Fuß werks;wir Kinder hatten keine Strümpfe und oft nasse Füße, wenn unsereStiefel defekt geworden waren.

Als ich Tertianer geworden war, flehte ich zu dem allgütigen Gotteinmal auf einem einsamen Spaziergange, mir Gelegenheit zu geben,etwas zu verdienen durch Privatstunden an jüngere Schulknaben, die derNachhilfe zu Hause bedurften und er erhörte mich. Alsbald wurdemir die Erteilung eines solchen Unterrichts zugewendet in einer wohl-habenden Familie: zwei Stunden wöchentlich an den schulfreien Mitt-wochs- und Sonnabendsnachmittagen, die Stunde honoriert mit4 Schillingen (= 3 Sgr.). Um diese 8 Schillinge zu verdienen, mußte ichzwei weitere Stunden, hin- und zurückgehend, aufwenden.

Es war ein kleiner Anfang, aber immer doch ein Anfang, welchersich gedeihlich entwickelte. Jene Familie gewann mich lieb; man er-quickte mich mit Kaffee, lud mich ein für allemal ein, Sonnabends zumAbendbrot zu bleiben, erhöhte das Honorar von 4 auf 6 Schillinge dieStunde und empfahl mich an Bekannte zu gleichem Berufe.

Als ich Primaner geworden war, unterrichtete ich schon Tertianer,mit denen ich Klassiker las.

Das Honorar betrug später 1 Mark, und ich verdiente nun so viel,daß ich auch Ferientouren machen und zum Unterhalt meiner An-gehörigen etwas beizutragen imstande war. Das gab mir einen geistigen

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