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V. Lehrer und Freunde.
Es ist ein einfaches Leben, erzählt von einem kindlich frommenManne; und zugleich erscheint darin das norddeutsche Wesen in einemMusterbeispiel, dem ich kein gleiches an die Seite zu stellen wüßte:Ilanssen ist Schleswig-Holsteiner in der einfachsten und klarsten Gestalt.
Über seine Jugend berichtet er so:
Ich bin geboren zu Hamburg den 3 i. Mai 1809. Mein Vater stammteaus dem Dorfe Satrup auf der Halbinsel Sundewitt, wo er amiS. Januar 1772 als zweiter Sohn eines Hufners das Licht der Welterblickte.“
Dieser Vater wurde nach seiner Konfirmation in die Lehre zu einemKrämer nach Eokernförde gegeben. „Mein Vater hatte in der Dorf-schule ... nur bitter wenig lernen können. Der Prinzipal ließ ihn vierWinter hindurch von dem Rektor der Stadtschule in einigen wöchent-lichen Stunden abends unterrichten, den ersten Winter in der deutschenSprache, da mein Vater nur den nordschleswig-dänischen Dialekt kannte;und in anderen Kenntnissen in den folgenden Wintern, sogar in Mathe-matik, für welche mein Vater besondere Begabung zeigte.“
„Nach diesen vier Lehrjahren wurde er Kontorist in Hamburg mitfreier Station und 5 o Talern Hamb . Cour. Gehalt. Später erhielt ereine etwas bessere Stelle auf dem Kontor eines Geldwechslers, der zu-gleich Bankiergeschäfte machte.
Nachdem er hier mehrere Jahre beschäftigt gewesen, etablierte er sichmit einem anderen Kommis desselben Prinzipals als Geldwechsler(Firma: Klingner und Hanssen).“
„Als mein Vater 1808 sich verheiratete, hatte er für seinen Anteilzirka 100000 Mk. Hamb. Cour, erworben.
1812 (oder i 3 ) brach die Firma infolge von Verlusten währendder * Zeit der französischen Okkupation Hamburgs zusammen. MeinVater gründete sodann für sich allein ein Handelsgeschäft anderer Artmit dem Vermögen meiner Mutter, welche auch die eigentliche Seeledieses Geschäfts war. Nach ihrem Tode im Jahre 1819 ging es aberwieder rückwärts bis zu baldiger völliger Aufgabe des Geschäfts.
Den Rest des Vermögens verlor mein Vater durch übernommeneBürgschaften.
Ich verlebte vom 10. Lebensjahre an ohne mütterlichen Ersatz undweibliche Einwirkung eine freudlose Jugend im Hause.
Nun begann eine Periode eigentlicher Not für meinen armen ge-liebten Vater: er hatte keinen irgend gesicherten Erwerb; er fing dies