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V. Lehrer und Freunde.
die harte Jugend, die Neigung zur „Autopsie“, die Gleichgültigkeit gegenLehrmeinungen, die männliche Vertretung gewonnener Überzeugungenund ein geradezu kindliches Gottvertrauen. All dies lag von Anfang anfertig in ihm.
Sein liebstes Forschungsgebiet war die Dorf Verfassung und ins-besondere die Gemengelage der Äcker auf der Flur. Dazu hatte ihnfrüh ein Däne, Olufsen, angeregt, dessen Ergebnisse er mitgeteilt unddann weitergeführt hat. Von hier aus wagte er, die sonderbare Agrar-verfassung der Gehöferschaften im Regierungsbezirk Trier zu schildern.Es sind dies Bauernschaften an der Saar, die noch inmitten des19. Jahrhunderts periodisch ihre Äcker und sogar ihre Feldgärten neuverteilten, freilich nur im Umkreise der Berechtigten. Für den Land-wirt Schwerz war dies nur eine Seltsamkeit gewesen. Hanssen schildertedie ganze Sache aus dem Vollen, so daß man sie begriff und vernünftigfand.
Ein anderes seiner großen Themata war die Frage nach dem ältestenSystem des landwirtschaftlichen Betriebes. Man glaubte früher, diesesälteste System sei die Dreifelderwirtschaft — was aber schon Roscher mitRecht bezweifelte. Hanssen zeigte nun den richtigen Weg: es war diewilde Feldgras Wirtschaft. Regellos wurde ein Fleck Landes aus derWeide herausgenommen und, solange es ging, mit Getreide bestellt.War der Land erschöpft, so fiel es wieder in die Wleide zurück undanderswo wurde ein neuer „Schlag“ für den Getreidebau abgesondert.Hanssen wußte dies dergestalt aus der Natur der Sache zu begründen,daß er alle die endlose Auslegerei alter Schriftsteller siegreich zur Seiteschob. Dieser kühne und glückliche Versuch, aus reiner Sachkenntnisheraus zu sagen: „so muß es gewesen sein“ trägt ganz und gar denStempel seines Geistes.
Endlich hat Hanssen unstreitig das meiste getan, um die Natur desRittergutes unserer Ostseeländer zu erschließen. Wie dieser Großbetriebanwuchs durch „Legen“ von Bauerngütern; wie die übrigbleibendenBauern zu immer steigenden Frondiensten für den Gutsherrn genötigtwurden: das haben wir von ihm gelernt. Und nicht minder dies: dieBefreiung der Bauern aus der sogenannten Leibeigenschaft konnte nurgeschehen bei tiefgreifender Änderung der Wirtschaft. Im östlichenHolstein sind damals die Gulsbetriebe meistens zerschlagen und bäuer-lichen Pächtern zugeteilt worden, die nun allerdings frei sein konnten.Dabei haben auch die landwirtschaftlichen Betriebssysteme sich mannig-