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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Adolf Held .

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des menschlichen Denkens und Fühlens hinzielend. Hier und da leuch-teten Geistesblitze durch, hier und da kamen Wunderlichkeiten zumVorschein. Alle verehrten den selbstgemachten Mann, der himmelweitabsland von dem, was man von dem Direktor eines statistischen Bureauserwartete. Er wußte überall Bescheid, hatte als früherer Techniker be-deutende Kenntnisse der gewerblichen Wirklichkeit, wußte überall einenBat, einen Ausweg und hatte als sanguinische Natur immer allerleiPläne in Sinn, zum Beispiel den eines statistischen Vereinsnetzes.

Engel war entzückt, wie schnell Held sich in literarischen Dingenzurechtfand, und es entspann sich zwischen beiden ein zartes und an-dauerndes Verhältnis, einerseits der Liebe, andererseits der Verehrung.Spät abends pflegte Engel nach Heids gegenüberliegendem Zimmer inder Lindenstraße zu blicken und sah dort zu seiner freudigen Besorgnisimmer und immer Licht bis nach Mitternacht.

Gegen Ende des Winters 1866/67 trat, wie alljährlich, in Berlin das Landes-Ükonoinie-Kollegium zusammen, unter dessen Mitgliederauch die Vorstände der landwirtschaftlichen Lehranstalten gehörten. Vonder Anstalt in Poppelsdorf bei Bonn war der Geheime Rat Hartensteingekommen, der damals einen jungen Lehrer der Nationalökonomiesuchte. Natürlich wurde Engel um Rat gefragt, und der empfahl ob-gleich er ihn dadurch von sich entfernte Adolf Held , der nun vomFrühjahr 1867 an nach Bonn übersiedelle, sich da an der Universität alsPrivatdozent niederließ und zugleich im nahen Poppelsdorf die Lehr-stelle übernahm. Vor den Landwirten trug er Nationalökonomie, vorden Bonner Studenten anfangs was ihm so unähnlich sieht Theorieder Statistik vor. Später erweiterte sich das Bonner Lehrgebiet auf vieler-lei politische Fächer. Dabei war es nicht etwa Gelehrsamkeit, wodurcher zu glänzen suchte; freilich wollte er unterrichtet, ja womöglich überallzu Hause sein, sagte sogar halb im Scherz:auf mein enzyklopädischesWissen bilde ich mir etwas ein aber er war weit davon entfernt, nurdiese Art des Wissens zu schätzen. Für sich jedoch brauchte er vorläufiggerade dies, denn er wollte vor allem Lehrer sein und seinen Zuhörerneine zunächst ausreichende Vorstellung des Faches verschaffen.

Und es kam noch dies hinzu: als Mann von vorwiegendem Interessefür Politik strebte er dahin, in seinen Hörern Gesinnungen zu weckenund zu pflegen. Daher auch seine innerliche Fremdheit gegenüber dernur messenden Statistik und seine Abneigung vor der englischen, denStaat unterschätzenden Richtung. Man erkennt das am leichtesten in

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