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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

seiner Finanzwissenschaft Da klassifiziert er nicht die Steuern raum-und zeitlos, um zu untersuchen, welche davon das geringste Übel sei,sondern beginnt mit dem Staate, als welcher unentbehrlich und daswichtigste aller sozialen Gebilde ist. Es sei Unsinn, nur eine Art vonSteuern zu erheben, ebenso töricht sei es, mit den überlieferten Steuernvöllig zu brechen; sondernes kommt darauf an, das bestehende Steuer-system langsam so umzuformen, daß es in seiner gesamten Wirkungeinen möglichst gleichmäßigen Druck ausübe.

Die feine, warme Art und Weise, wie er dje staatliche Gesinnungseiner Hörer zu pflegen wußte, meist unmerklich und niemals aufdring-lich, brachte es bald mit sich, daß er von ihnen als Führer und Beraterhochgehalten und nicht nur wegen des Unterrichts geschätzt wurde. Da-bei wandelte sich sein Vortrag sehr bald nach der Rede hin um, undda der Redner vor allem selber Überzeugung braucht, so bildete sich beiihm eine Pflege der moralischen Natur aus, wozu sein Freund ConradVarrentrapp nicht wenig beitrug. Held hatte früher die Dinge des Lebensleicht genommen; seine Moral war angeborener Geschmack und inneresGleichgewicht gewesen; nun kam bewußter Ernst hinzu, Sorge für Ver-wirklichung des Guten, vor allem des politisch Guten und der alsKatholik Erzogene nahm oft protestantische Züge an.

Wie er früh in Bay r ern den Partikularismus überwunden hatte, sowendete er sich nun im Rheinlande dem Ultramontanismus entgegen,der ihm als undeutsch zuwider war, und den er für die moralische Bil-dung des Volkes für minder förderlich hielt.

Als die Bewegung des Altkatholizismus aufkam, hat sich Held der-selben früh und rückhaltlos öffentlich angeschlossen.

Infolge einiger Anfragen von außen erfolgte seine Ernennung zumProfessor sehr früh, woran sich seine Verheiratung anschloß. Die Zeitder Vorbereitung war befriedigend erledigt: mit 26 Jahren hatte er einebürgerliche Stellung: jung, tüchtig, allgemein beliebt, zu jeder gemein-nützigen Tätigkeit verwendbar.

Als der Krieg von 1870 ausbrach und seine preußischen Alters-genossen jeder in der großen Erhebung seine Stelle fand, ergriff ihn, derkein Mililärverhältnis hatte, zunächst große Niedergeschlagenheit. Dochbald lebte die sorgende Tätigkeit der Vereine auf, und wo es Rat oder Tatgalt, rief man nach Held, der Kleines und Großes gleich eifrig übernahm,ob es nun Verlosung geschenkter Gegenstände war oder Führung einerGruppe von Nothelfern nach Frankreich hinein in die Nähe der Lazarette.