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Kaum von da zurückgekehrt, schrieb er einen Artikel in die PreußischenJahrbücher, wie man solche fliegende Scharen am zweckmäßigsten bildenund verwenden müsse.
Nicht leicht dürfte damals in Bonn ein liberaler Verein gewesensein, bei dem Held nicht irgendwie die Hand im Spiele gehabt hätte.Aber vor allem diente er nach dem Kriege zweien: dem Bonner Bildungs-verein, der die Bürger der Stadt geistig anregen sollte, und dem DeutschenVerein, der zuletzt in 77 Städten des Rheinlandes Boden gefaßt hatte undmehr eine Wahlorganisation im nationalliberalen Sinne war. Den Vorsitzführten andere, schon aus Altersgründen; aber er war der unermüdlicheSchriftführer, dessen Lust, Kraft und gute Laune nie versagte, unddessen sachlicher Einfluß von Jahr zu Jahr bedeutender wurde, trotz derbescheidenen Stellung.
Der Verein für Sozialpolitik, 1872 durch Schmoller und seineFreunde begründet, dessen erste rednerische Spitze Lujo Brentano war,wählte als ersten Schriftführer ohne weiteres Adolf Held , der nundauernd am Tische des Vorstandes Platz nahm und alle Schwierigkeitenglättete. Einmal, als wegen der Frage des Schutzzolles eine allgemeineVersammlung über Hals und Kopf berufen werden mußte, brachte esHeld in vierzehn Tagen fertig, was niemand für möglich gehalten hätte.
Bei so unzweifelhafter Begabung für das Praktische und für jedenZweig des öffentlichen Lebens regten sich auch allerlei Wünsche undHoffnungen. Als Professor Aegidi aus Bonn ins Auswärtige Amt desReiches eintrat, fühlte sich Held von dieser Nachricht seltsam ergriffen.Er fing an über solche Wandlungen nachzudenken und die Vorzüge einerStellung im Ministerium zu erwägen. Andererseits hat man ihn im Jahre1873 von Chemnitz aus gefragt, ob er sich in den Reichstag wählenlassen wolle, wie er denn auch in Bonn , allerdings nur als Zählkandidatder Nationalliberalen, auftrat.
Aber nach kurzem Schwanken wurde ein Entschluß gefaßt, was ihmniemals schwer fiel; die bisherigen Erfahrungen sollten nicht praktisch,sondern wissenschaftlich verwendet werden. Sofort wurden alle Sekretär-stellungen abgewickelt, und er sagte sich: nun bin ich wieder Professor.Freilich waren innere Prüfungen vorausgegangen, die ihn sogar zeitweiligumdüsterten, was aber seine Umgebung weniger merkte als seine aus-wärtigen Freunde, an die er gerne Briefe schrieb. Dann fragte er wohl:„Wie habe ich das erreicht, was ich jetzt hin? Man hat mich gern gehabt,brauchbar gefunden, sogar wählen wollen. Aber mir fehlt etwas: das