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und Heiterkeit in die Gesellschaft der Gäste und genoß drei volle Wochenim Bewußtsein, daß er die Früchte einer fünfjährigen Arbeit zu pflückenim Begriff stehe. Schon wurden Postkarten ausgesendet, um auf demBückwege den und jenen seiner Freunde aufzusuchen. Nur noch rasch,am 2 5 . August 1880, sollte eine Kahnfahrt auf der Aar, am Austrittdes Stromes aus dem See, stattfinden, auf die einige junge Herren undDamen mit Begierde warteten, die von dem Heldschen Ehepaar auf-gefordert worden waren. Im zweiten Kahne fuhr Herr Held mit denjungen Leuten; Frau Held war in einem anderen Kahn oder stand nocham Ufer: da schlug Heids Kahn um. Ob man etwa Plätze hat vertauschenwollen, weiß man nicht. Alle Insassen fielen in den Fluß, einige wurdengerettet; aber eine der jungen Damen klammerte sich in der Todesangstan Held fest — und diese beiden, nachdem sie noch einmal aufgetauchtwaren, verschwanden im Wasser.
In wenigen Augenblicken hatte sich alles abgespielt. Frau Held warschon Witwe, ehe man den Unfall ganz begriff; für sie war ihr Mannrätselhaft verschwunden, er, ein geübter Schwimmer, der nie aus Prah-lerei etwas Unkluges unternahm. Es dauerte einige Tage bis die letzteHoffnung sank, indem die Leichen endlich gefunden wurden.
So endete dies hoffnungsvolle, bis dahin so glücklich verlaufeneLeben.
Das Begräbnis fand in Bonn statt, unter zahlreichster Beteiligungaus allen Teilen Deutschlands . Auch die Freunde, die der Witwe bei-stehen wollten, waren anwesend: Varrentrapp, Thiel und Knapp, undberieten, was man dem Andenken des Verewigten schuldig sei. Be-schlossen wurde die Herausgabe des in Berlin hinterlegten Werkes. DasBuch ist im Herbst 1881 fertig geworden, und Heids Arbeit ist alsogerettet.
Freilich wäre sie weit besser geworden, wenn der Verfasser selbst siehätte vollenden können; aber man sieht doch im großen und ganzen,wohin er strebte und vor allem: man erkennt die Gesinnung, die damalshei den Gründern des Vereins für Sozialpolitik geherrscht hat.
So hat der Verein eine wichtige Kraft verloren durch einen tückischenZufall. Niedergeschmettert blieben die Freunde zurück und weihten demEntschwundenen ein treues Andenken L
1 In der englischen Zeitschrift The Spectalor, Nr. 2726, vom 25. September1880, gibt J. M. Ludlow folgendes Urteil ab auf Grund persönlicher Bekannt-schaft: „Dying at Ihirty-six, Iicld’s mind had not, I am convinccd, reached its