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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

slurz. Die Entwicklung des künftigen Arbeiterreclits ist möglich in denStaaten wie sie sind. Es muß aber Männer geben, die sich auf dasStudium dieser Rechtsbildungen verlegen und die unserer Gesetzgebungdie richtigen Wege zeigen. Auch muß nicht gewartet werden, bis eswegen künftiger Produktiv-Assoziation mit Staatshilfe keine privatenUnternehmer mehr gibt; sondern der Fabrikant bleibt Fabrikant, derArbeiter bleibt Arbeiter und trotzdem kann eine bessere Zukunftherbeigeführt werden. Das große Stichwort Louis Blancs:Organisationdu travail erhält einen neuen Sinn; der Fabrikant schließt nicht mitdem hilflosen einzelnen Arbeiter seine Verträge, sondern mit der im Ge-werkverein organisierten Arbeiterschaft.

Das zweibändige Werk, worin diese Lehren enthalten waren, iststellenweise von leidenschaftlicher Wärme aber es ist von einer solchenKraft des sachlichen Eindringens, daß es jeden Leser überzeugt. Manmerkt noch hie und da das Ringen mit dem Stoff, sogar ein gewissesDurchschimmern der englischen Sprache, in der die Quellen geschriebensind, ist fühlbar. Gleichwohl aber ist im ganzen schon der Stil erkenn-bar, der später in der AbhandlungDie Gewerkvereine im Verhältniszur Arbeitsgesetzgebung (Band XXIX der Preußischen Jahrbücher)meisterhaft auf tritt: unerbittliche Sachlichkeit bei unnachahmlicherKraft des Vortrags.

Dies Werk, dessen Vorrede (im Schlußbande) vom 3 . April 1872datiert ist, hat eine ganz ungewöhnliche Wirkung gehabt. Denn umjene Zeit waren die jüngeren Nationalökonomen dumpf bewegt von demBedürfnis, in der Arbeiterfrage den lässigen Schulbetrieb aufzugebenund in die Öffentlichkeit zu treten, um neben der Sozialdemokratie einenTummelplatz der neueren Meinungen zu bilden. Gustav Schmoller wärehier zuerst zu nennen; dann Erwin Nasse, Adolf Held, Gustav Schön-berg . Es gelang ihnen, den älteren angesehenen Juristen Gneist zu ge-winnen, und sie stifteten das, was später der Verein für Sozialpolitikgenannt wurde, durch eine Versammlung in Eisenach , am 6. und 7. Ok-tober 1872.

Eisenach war damals noch kein Fabrikort, sondern ein stilles Land-slädtchen, eingebettet in das liebliche Tal mit den unermeßlichenWäldern, die eben im Begriffe waren, sich herbstlich zu färben. Vomletzten Vorsprung des Gebirges blickte die große Wartburg herab, jedemDeutschen traulich und voll von Erinnerungen. Für sonntägliche Ver-gnügungen gab es am Rande der Stadt einen bescheidenen Saal, der uns