Zwölfter Brief.
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So wie den fernen Wald der Künstler blaulicht mahlt,Der in der Nähe doch mit frischem Grüne prahlt,Und also die Natur nicht trift und nicht verfehlet,Weil nur sein feiner Strich den Schein zu schildern wählet:c.Wird Ihnen mm bald die Lust vergehen, ein Ganzes sehen zuwollen, das aus so schlechten Theilen bcstcbt? Doch Sie sollenes nunmehr, zn ihrer Bestrafung sollen Sie es nunmehr sehen.Za, um Sie recht zu martern, will ich es Ihnen selbst vorle-sen. Wagen Sie es nur, und kommen Sie nach der Stadt.Doch wahrhaftig, Sie könnten meine Drohung für Ernst auf-nehmen. Sie könnten wohl gar nunmehr noch einen Monatlänger auf dem Lande bleiben. Um des Himmels willen, nein!Ich will Ihnen gern nichts vorlesen; ich will gern den Rubmnicht verlieren, daß ich wenigstens diese Tborhcit eines Poetenweniger besitze. Kommen Sie nur. Ich bin ze. W " 176^.
Zwölfter Brief.
An den Herrn A ° "Endlich habe ich Ihnen gefolgt, und bin gestern in demNicolinischcn Schauplätze gewesen. Es hat mir so wohl darinncgefallen, daß ich niemals wieder hinein kommen werde. Wasfür ein sinnreicher Mann ist Nicolini! UnS seine kleine Affenunter dem Namen Pantomimen aufzudringen! Ich bcwundrcihn; und er ist es werth, daß er seine Absicht erreicht bat, daer sich auf eine so anlockende Art die Ncugicrigkcit und denläppischen Geschmack unsrer Aciten zinsbar zu machen weis.Ich glaubte vom Himmel zu fallen, als ich Männer vor seinerBühne antraf, die ich sonst nicht anders als mit Ehrerbietunggcncnnt habe. Und als ich Gesichter durch ein unanständigesLachen sich verzerren sahe, von welchen ich geschworen hätte,daß sie Arcopagitcn zugehörcn müßten; wahrhaftig so schämteich mich, weil sie sich nicht schämen wollten. Ich verkroch michhinter einen grossen Officicr, welcher vor mir stand, und sagtemehr als einmal:
Der kleine Narre spielt; die grossen sehen zu.Allein, ich sagte es ganz sachte, müssen Sie wissen; denn ausserdem Officier hatte ich noch einen bärtigen Husaren zum Nach-