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Eilftcr Wricf.
Da eines nie vor sich dcr Ncugicr Auge stärkt.Das statt dcr Deutlichkeit in ihm nur Ncbcl merkt.Sie schcn wohl, daß ich cS damals noch nicht wissen mußte,wenn ich cS anders jctzo weis, was die Gedanken zusammcnzic-hcn heißt. Ich will Ihnen noch eine Stelle hersetzen, und indicscm Geschmacke müsscn Sie sich das übrige alles vorstellen.Zu dem zweiten Gesänge komm ich beyläufig auf die Geschichtedcr Sternkunde:Was in dcr jungen Wclt, bey hcllcr Nächte Stunden,Ein Wandrer erst bemerkt, ein Hirt zu erst erfunden,Trug sich gchcimnißvoll, gleich einem GöttcrwortNom Natcr auf den Sohn, vom Sohn zum Enkel fort;Bis, wie den Gottesdienst, dies nützlich kleine Wissen,Mit cigcnnützgcr Macht die Priester an sich rissen.Zn dunkeln Tempeln ward mit tückschcm Neid versteckt,Was scincn Nutzen nicht auf Saat und Erndtc streckt.Das flache Vabilon wagt es, auf steilen TürmenZuerst mit Ncubcgicr den Himmel zu bestürmen.Acgyptcn folget nach, nnd recht verdeckt zu seyn,Gräbt cs, was cS erfand, in Hieroglyphen ein.Das schlaue Gricchcnland dringt muthig durch die Dünste,Und raubt, stolz auf den Raub, dem Niclc seine Künste.Sein Leichtsinn prahlt damit, als seinem Eigenthum;Dem ersten war die Müh, und ihm verblieb dcr Ruhm.So macht cs oft dcr Franz; er prahlt mit fremden Wissen,Das er bey dcr Gcburth dcm Nachbar schlau cntrisscn.In dcm dritten Gesänge, wo ich das Lächerliche des Ptolcmäi-schcn Wcllbaucs beschreiben wollte, fing ich meine Beschreibungalso an:
Dich, Pöbel, ruf ich hier zu meinem Beystand an,Daß ich recht pöbelhaft ihn sehn und schildern kann.Mein Aug, entwöhne dich jetzt dcr gcrcingtcn Blicke,Und nimm den Kindcrwahn auf kurze Zeit zurücke.Stell mir den Himmel vor, wie ihn die Einfalt lehrt,Die das untrüglich glaubt, was sie von Nätcrn hört.Und wird er, wie er scheint, in meiner Zeichnung strahlcn,So wcrd ich ihn nicht falsch, und gleichwohl unrecht mahlen.