Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
299
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Eilfter Brief, 2W

als ein angemaßter Dichter, dem mcinigcn hätte geben sollen.Mein stolzer Anfang war nunmehr dasjenige, was ich nichtmehr ohne eine bittre Spötterei) über mich selbst ansehen konnte.Zhr niedern Töne schweigt! Von Pracht nnd Glanz entzücket,Sey ich zun Sternen jetzt mir nnd der Welt entrücket.Ein dichtungswürdgrcr Stof, als Liebe Scherz nnd Wein,Soll, voll von kühner Glut, des Liedes Znnhalt seyn.Ey, dachte ich, du hast deiner Entzückung, deiner kühnenGlut vortrcflich viel Ehre gemacht! Unterdessen schien es doch,als wenn ich mein Unglück vorhergehen hätte; denn ich schloßmeinen Eingang:

Beherzter als Eolumb, tret ich den Luftweg an,Wo leichter als zur See die Kühnheit scheitern kann.Mag doch die Sinnlichkeit des frommen Frevels fluchen!Genug, die scheitern schön, die scheiternd Welten suchen.Der erste Gesang handelte von dem Betrüge der Sinnen, undich muß mir die Schmeichelei) machen, daß ich noch jczt ver-schiedenes davon ziemlich erträglich ausgedruckt, und mit eignenGleichnissen unterstützt finde. Ich rechne dahin folgende Stelle,so viel matte Zeilen sie auch hat.Das Auge, wann sein Netz der Sachen Abdruck rührt,Thut, was es thuen soll, auch wann es dich verführt:Was es nicht leisten kann, das mußt du nicht begehren.Es soll nns nur den Schein entfernter Flächen lehren.Was davon wahr, was falsch, das untersuche duzWo nicht, so rennst du selbst dem leichten Irrthum zu.Deswegen gab dir Gott des Geistes schärfrcs Auge,Daß es das leibliche dir zu verbessern tauge.Wann du mit diesem siehst, zieh jenes auch zu Rath,Durch beydes siehst du recht, wann eines Mängel hat.Wie in dem Zaubcrrohr, wodurch man in der FerneGleich als im Nahen sieht, wodurch man Mond und SterneAus ihrer Höhen Kluft, ohn Segen, ohne Geist,Und ohne Talisma, zu uns hernieder reißt,Des Künstlers weise Hand ein doppelt Glas vereinet,Und nur der Gegenstand durch beyde klarer scheinet;