Fiinfjchntcr Brief.
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ten eines auffahrenden Feuers, welche oft nichts als eine un-fruchtbare Bcwundrung erwecken. Es ist schwer zu sagen, welcheden Vorzug verdienen. Sie sind beyde groß, und beyde unter-scheiden sich unendlich von den mittelmäßigen Köpfen, welchenweder die Reime eine Gelegenheit zur fleißigern Ausarbeitung,noch die abgcschaftcn Reime eine Gelegenheit desto feuriger zu
bleiben sind.")--Was meinen Sie, sollte ich wohl Recht
haben? Es wird mir lieb seyn, wenn Sie ja! sagen; und ichwerde es nicht ungcrnc sehen, wenn Sie nein! sprechen. Dennnichts kann mir an einem Freunde angenehmer seyn, als vcr-schicdne Meinungen in gleichgültigen Sachen. Leben Sie wohl.Ich bin zc.
Fünfzehnter Brief.An ebendenselben.So, mein Herr? Fragten Sie mich nur deswegen was ichvon dem Reimen halte, um mich hernach mit desto grössererDrcustigkcit fragen zu können, was ich von dem Messias desHerrn Rlopstocks halte? Ucbcrhaupt, scheinen Sie mir es schonzu wissen, daß ich mit unter seine Bewunderer gehöre; weilSie sonst schwerlich ihre Frage in den Worten des Horatz:^F0, ^»i^Io,?u niliil !n müF»o claotuts rv^ieliouclis Ilvmoro?würden ausgedrückt haben. Aber aus eben den Worten seheich auch, daß Sie gern etwas mehr als meinen Beyfall hörenmöchten. Sie wollen so etwas, das einer Critik nicht ungleichist. Nicht wahr? Vor acht Tagen würde ich schlechthin geant-wortet haben: damit vermenge ich mich nicht. Ich bin Zeitmeines Lebens keinem Dinge gramer gewesen, als den Eritikcnüber Gedichte. Vielleicht, weil ich sie mehr zu besorgen hatte,als andre? Das kann seyn. Aber, wie gesagt, vor acht Ta-gen ungefehr hat mich ein Geist getrieben, welcher ohnfchlbarnicht der beste seyn mochte. Er trieb mich, Gedanken auf dasPapier zu werfen, die mir schon mehr als einmal in den Kopfgekommen waren. Und diese Gedanken betrafen eben das, wes-
*) Vcrgl. oben S. 177.
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