Fuiifzchutcr Brief.
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nach hatten es die berühmte» Profcssorcs G^^ und T"* vonihnen gelernt; und wie man gesehen, recht glücklich. Der ge-meine Soldat, der die meisten Prügel bekommen hat, wird derKorporal der die meisten Prügel giebt. Ich glaube aber doch,daß diese wackre Männer, nicht deswegen ans dm Messias ge-lästert, weil sie gesehen, daß er vortrcflich sey, sondern weil siesich der Mühe überheben wollten, zn beweisen, daß er es nichtsey. Ihr Schimpfen war, ohne Zweifel, die Folge aus Aor-dcrsätzcn, die sie so überzeugend dachten, daß sie mciiictcn, einjeder müsse sie bey sich empfinden; die sie also verschwiegen.
„Ich habe einen Einfall bekommen, der — — vielleichtnicht viel taugt. Ich will einige Gedanken auf das Papier wer-fen, die ich die Feinde der Klopstockischcn Muse nicht mißzudcu-tcn bitte. Sie würden mir eine allzukützlichc Ehre erzeigen,wenn sie mich unter ihre Zahl aufschreiben wollten. Ich binvon der Schönheit des Messias so überzeugt, als sie es kaumvon der Schönheit ihrer eignen Poesie seyn können. Das selbst,was ich daran aussetzen will, soll es Ihnen beweisen.
„Das ist wunderlich, wird man denken. So gar wunder-lich nicht. Es giebt eine Art des Tadels, welche dem Geta-delten Ehre macht. Man tadelt den Hannibal, daß er nichtRom belagert. Welchem geringern Feldherrn von allen, die je-mals an der Spitze römischer Feinde gewesen sind, macht mandiesen Vorwürfe Keinem. Der einzige Hannibal war so weitgekommen, daß er es thun konnte, und nicht that. Wie vielSiege mußte er vorher erstritten, durch welchen Muth, durchwelche Klugheit, durch welche Schnelligkeit im Entschlicsscnmußte er sich in das Recht gesetzt haben, zu desto grösser» Tha-ten Hofnung zu machen, je grössere er verrichtete, ehe man ihmden über alle Lobsprüchc steigenden Tadel machen konnte: under hat nicht Rom belagert? Man schätzet jeden nach seinenKräften. Einen elenden Dichter tadelt man gar nicht; mit ei-nem mittelmäßigen verfährt man gelinde; gegen einen grossenist man unerbittlich. Bleibt sich dieser nicht allezeit gleich, ent-wischt ihm hier und da eine matte Zeile: diese matte Zeile,welche die Zierde eines mittelmäßigen Dichters seyn könnte, wirdunerträglich: so wie man jeden guten Einfall, den man bey ci-
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