Fünfzehnter Brief.
„Gleichwohl fiel cs mir ein, daß ich aus den Beyspiele»des Homers und Nirgils bemerkt zu haben glaubte, ein Helden-dichter pflege in dem Eingänge seines Gedichts die ganze Ein-richtung desselben nicht undeutlich zu verrathen. Wenn zumExempel Maro anhebt:
^i'Mg, viiumijuo LAvo, l'i'lxj!« <j>il jmmus ktd oi'ii?Italiam, s-rto proluAus, I^avingsjuo vonitI^ittora: multim» illv et tvrris ^setatu« et ultu,Vi tu^ieium, t'aevN mvmoreni ^unoiii« »l« ii.im.Nultit t^uo«n>o et liollo Kultus, llum eonclerot iiilioi»,lnserrotijue Ueos I^atio: Avnus nncle I^atinui»,^VIl»gn!<jne patres atljiie »Itiv muznis liomi«.so glaubte ich nicht allein den Held, viium, ^i-o^ü «jui n>i»»^ad oils ltali-ini venit; seinen Eharaktcr iiisoreetcjuo Ovos I^ittio,als den frommen Acncas; die vornehmsten Maschinen, I?kt»m,vls t'uponim, >1cino»i8 iril; sondern auch die beyden Theile derganzen Acncidc darinnc gefunden zu^ haben, den ersten multumillo et toiris ^setatus et »Ito, den Zweyten niultir ljuocjuo etdvllo ^nltus. Es gefiel mir also, den Eingang des Messiasvorzunehmen. Zch wußte, daß die Geschichte zu heilig sey, alsdaß der Dichter den geringsten wesentlichen Umstand änderndürste; ich schmeichelte mir also desto eher etwas daraus zu er-rathen. Zch sing an zu zergliedern; jede Gedanke insbesondre,und eine gegen die andre zu betrachten. Nach und nach vcrlohrich meinen Zweck aus den Augen, weil sich mir andre Anmer-kungen anbothen, die ich vorher nicht gemacht hatte. Hier sinddie vornehmsten davon.
„Singe unsterbliche Seele der sündigen Menschen Erlösung,Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet,Und durch die er Adams Geschlechte die Liebe der GottheitMit dem Blute des heiligen Bundes von neuen geschenkt hat.Also geschahe des Ewigen Wille. Vergebens erhub sichSatan wider den göttlichen Sohn; umsonst stand ZudäaWider ihn auf: er thats und vollbrachte die grosse Versöhnung.
Aber, o Werk, das nur Gott allgegenwärtig erkennet,Darf sich die Dichtkunst auch wohl aus dunkler Ferne dir nähern ?Weihe sie, Geist Schöpfer, vor dem ich im Stillen hier bete.